Generationen von Sicherheitspolitikern in Uniform und in Zivil, die Militärs, die Parlamentarier, die Medien haben an der Debatte mitgewirkt, inwiefern Wehrpflicht und Demokratie aufeinander bezogen, ja geradezu komplementär seien. Diese These geriet zur Glaubensformel der Bonner Republik, aber auch der DDR. 1) Auch die Gegenposition aber, daß Militär und Demokratie einander ausschließen, war in Deutschland über all die Jahre wesentlich weiter verbreitet als allgemein bekannt ist; sie wurde still toleriert oder auch totgeschwiegen. Liberal-konservative Publikationen in den 60er Jahren wie zum Beispiel die von Georg Picht setzten dezidiert die Inkompatibilität voraus: "Die militärische Organisation... unterscheidet sich in fundamentaler Weise von der bürgerlichen Demokratie". 2) Derartige Erörterungen gewannen in der Phase der Reformkonzeption der Bundeswehr zu Beginn der 70er Jahre noch einmal einen höheren Stellenwert. Eine solche Kritik wird nicht nur von pazifistischer Seite vorgetragen, sondern ist vielfältig Gegenstand der wissenschaftlichen Theoriediskussion. 3) Die innere Verbindung von Demokratie und militärischem Dienst in der Weise, die Wehrpflicht konstituiere eine demokratische Armee, ist ein Kunst-Phänomen der Politik der Zeitgeschichte, ein politisches Produkt der legitimatorischen Konsensbildung der Bonner Republik der 50er Jahre.
In der Februar-Ausgabe analysiert Ferdinand Muggenthaler die Folgen des US-Militärschlags in Venezuela für Lateinamerika – und erläutert, an welche Grenzen Trumps imperiale Ambitionen auf dem Subkontinent stoßen könnten. Nach vier Jahren russischer Vollinvasion und einem Jahr Trump ist die Ukraine zu einem zentralen Schauplatz im Ringen um eine imperiale globale Ordnung avanciert, argumentiert Steffen Vogel. Ulrich Menzel beschreibt die Konturen des heranbrechenden neuen imperialistischen Zeitalters, in dem das »Trio infernale« – USA, Russland und China – miteinander um die globale Vorherrschaft ringt. Seyla Benhabib beleuchtet unter Rückgriff auf das Denken Hannah Arendts die dramatischen Herausforderungen der Demokratie im planetarischen Zeitalter. Sonja Peteranderl zeigt auf, wie sich deutsche Behörden aus ihrer Abhängigkeit von Trump-hörigen Tech-Konzernen lösen können. Dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk hierzulande nicht nur innenpolitisch unter Druck steht, sondern auch ausländische Regierungen politisch Einfluss auszuüben versuchen, zeigt Wolfgang Kraushaar am Beispiel der Kontroverse um die ARD-Israel-Korrespondentin Sophie von der Tann. Und Georg Diez plädiert angesichts der wachsenden Stimmenanteile der AfD für die Abkehr von Parteidisziplin und den Umbau der Demokratie hin zu einer zielorientierten Zwei-Drittel-Republik.