Ausgabe Oktober 1997

Viel Lärm um wenig

Supergeld - Superstaat?

Einmal mehr hat Jack Lang öffentliche Aufmerksamkeit geweckt, erwartungsgemäß aber eher durch seinen Stil als durch Substanz, mehr durch Äußerlichkeiten als durch Inhalte. Sein Einspruch gegen die Unterzeichnung des Amsterdamer Vertrages erscheint mir vor allem selbstgefällig, dennoch gibt es einige interessante Punkte, die der Artikel anreißt. Zum einen: Lang liegt mit seinem Hinweis richtig, daß es "Europa" in seiner gegenwärtigen Bedeutung an Pathos und Leidenschaft auf wirklich jeder Ebene des öffentlichen Diskurses mangelt. Das europäische Erscheinungsbild mutet ihn "grau in grau" an, "Europa" bewege sich in "eingefahrenen Bahnen". Langs Gegenbild: die "Kühnheit" Robert Schumans, die "Vorstellungskraft" von Jean Monnet, die "Klarsicht" Mitterrands, schließlich die "konstruktive Energie" von Jacques Delors und Helmut Kohl.

Zwei Dinge fallen einem dazu auf der Stelle ein. Ganz simpel: Kohl und Delors sind nach wie vor im Rennen, zählten - als ich das letzte Mal hingesehen habe - zu den politischen Akteuren. Der eine ist Kanzler des bedeutendsten und mächtigsten Landes in Europa. Und die Partei des anderen ist Teil der "Cohabitation" im zweitwichtigsten und mächtigsten Land des Kontinents.

Oktober 1997

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