Ausgabe Oktober 1998

Geopolitische Rivalen oder Partner?

Rußland und China in der Region des kaspischen Meeres

Während 1991/92 Rußland sich in einer "romantischen" Phase der russischen Außenpolitik dem Westen unterzuordnen schien, gewann ab Mitte 1992 wieder die alte Großmachtidee an Boden, und es kam zu einer Wiederbelebung geopolitischen Denkens. Dabei wurde auf ein nach Auflösung der Sowjetunion entstandenes Machtvakuum in der Region der südlichen GUS-Staaten hingewiesen. Geopolitische Ziele Rußlands sind seither die Kontrolle der südlichen GUS-Staaten als eigene Einflußsphäre, die Eindämmung des türkischen und amerikanischen Einflusses, die Beteiligung am internationalen Ölgeschäft sowie der Ausbau der strategischen Kooperation mit dem Iran. 1) Nach der Auflösung der Sowjetunion gewinnt die Region aber auch für China an Interesse. Dies hängt vor allem mit ihrer Funktion als West-Ost-Transportkorridor ("Seidenstraße") zusammen. Hierdurch eröffnet sich China ein Landweg in den Westen, der zuvor durch den Eisernen Vorhang verschlossen war. Dieser Korridor hat für die Volksrepublik den Vorteil, daß er nicht, wie die Routen durch Rußland oder Indien, über das Territorium von konkurrierenden Großmächten verläuft.

Oktober 1998

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Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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