Ausgabe Oktober 1998

Weder vor noch zurück

Das Dilemma der CDU im Osten

Im Wahlkampf haben Helmut Kohl und Gerhard Schröder kaum einen ostdeutschen Marktplatz ausgelassen, denn sie gingen davon aus, daß der Osten wahlentscheidend ist. Zwar zählt 1% in Bayern oder Nordrhein-Westfalen bekanntlich ein Mehrfaches von 1% in Brandenburg oder Mecklenburg-Vorpommern. Aber was wäre, wenn die CDU im Osten hier und da nicht 1, 2 oder 3 sondern 5, 10 und 15% verlieren würde? Schon die Landtagswahl in Sachsen-Anhalt hatte gezeigt, wie dramatisch sich die politische Situation im Osten ändert: Die CDU verlor mehr als 12%, die rechtsextreme DVU gewann auf Anhieb 12,9%. Es lohnt sich also, um die etwa 20% aller Wahlberechtigten in den neuen Ländern zu kämpfen, denn beide großen Volksparteien haben im Osten kaum Stammwähler. Für die CDU ist die Erkenntnis besonders bitter: Acht Jahre nach den überwältigenden Erfolgen der Christdemokraten im Osten hat sich das Blatt offenbar gegen die Union gewendet. Was wird aus der CDU im Osten? Hat sie noch eine Chance, Volkspartei nach (alt)bundesrepublikanischem Vorbild zu werden? Rüdiger Soldt bilanziert die Veränderungen und fragt nach der Zukunft der ostdeutschen Christdemokraten. Sein Beitrag beruht auf einem Kapitel des voraussichtlich Anfang Oktober im Fischer Taschenbuch-Verlag erscheinenden Buches "Die CDU nach Kohl", herausgegeben von Tobias Dürr und Rüdiger Soldt. - D. Red.

Oktober 1998

Sie haben etwa 5% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 95% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1€)
Digitalausgabe kaufen (10€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe Mai 2026

In der Mai-Ausgabe zeigen Alexander Cooley und Daniel Nexon, wie die Trump-Regierung ihre geopolitische Macht systematisch in privaten Gewinn ummünzt – zum Schaden für Rechtsstaat und Demokratie. August Pradetto plädiert für eine entschiedene – auch rhetorische – Verteidigung des Völkerrechts gegenüber der wachsenden Gruppe jener Staaten, die auf die Macht des Stärkeren setzen. Klaus Naumann beleuchtet die Debatte um die Wehrpflicht und fragt, wie sich der Frieden in Europa künftig verteidigen lässt. In einer Welt, in der Heimatverlust zu einer universellen Erfahrung geworden ist, sucht Ece Temelkuran nach neuen Formen von Gemeinsamkeit und Handlungsmacht. Antje Schrupp zeigt, wie rechte Frauen mit traditionalistischen Frauenbildern den autoritären Aufstieg befördern. Sonja Peteranderl warnt vor den Risiken von Zyklus-Apps in Zeiten des Rechtsrucks. Inken Behrmann beleuchtet den auch hierzulande längst entbrannten Kampf um die immer knapper werdende Ressource Wasser. Markus Wissen sieht im radikalen Reformismus eine Strategie gegen den Krisenkapitalismus. Und Karin König erinnert an den Film »Die Mörder sind unter uns« als Schlüsselwerk der deutschen Nachkriegsgeschichte und die Biografie seines Hauptdarstellers Ernst Wilhelm Borchert. 

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema