Read my lips, schlug George Bush den Fernsehzuschauern im Wahlkampf vor. Im Krieg, lernen wir gerade wieder, wird nicht weniger als sonst geredet, aber noch mehr gelogen. Verschweigen kann die schlimmere Form der Lüge sein. An ihren Früchten sollt ihr sie erkennen, rät die Bibel. I. Wenn die Prämissen nicht stimmen, kann über ein Problem nicht sinnvoll verhandelt werden, weder über Ursachen noch über Abhilfe, Lösungswege. II. Wenn das Kind in den Brunnen gefallen ist, muß es zunächst einmal herausgezogen werden. Vielleicht lebt es noch. III. "Wenn auch nur ein Viertel stimmt..." Sobald ein Bundesaußenminister am Ende einer Pressekonferenz über gegnerische Greuel seine Darbietung mit dieser Floskel zusammenfaßt, heißt das: Alarmstufe 1 im Umgang mit jeglicher Information der Kriegsparteien, insbesondere der eigenen Seite. Denn die beansprucht, in unserem Namen und Auftrag zu handeln. Für sie haften wir unmittelbar mit. IV. Wenn es tatsächlich das Ziel der NATO-Strategie war, die Lage der Kosovo-Albaner zu verbessern oder - so erklärt sie seit Kriegsbeginn - eine "humanitäre Katastrophe" zu verhindern, so können wir nur beten, nicht eines Tages selbst in den Genuß derart effektiver "brüderlicher Hilfe" zu gelangen.
In der Februar-Ausgabe analysiert Ferdinand Muggenthaler die Folgen des US-Militärschlags in Venezuela für Lateinamerika – und erläutert, an welche Grenzen Trumps imperiale Ambitionen auf dem Subkontinent stoßen könnten. Nach vier Jahren russischer Vollinvasion und einem Jahr Trump ist die Ukraine zu einem zentralen Schauplatz im Ringen um eine imperiale globale Ordnung avanciert, argumentiert Steffen Vogel. Ulrich Menzel beschreibt die Konturen des heranbrechenden neuen imperialistischen Zeitalters, in dem das »Trio infernale« – USA, Russland und China – miteinander um die globale Vorherrschaft ringt. Seyla Benhabib beleuchtet unter Rückgriff auf das Denken Hannah Arendts die dramatischen Herausforderungen der Demokratie im planetarischen Zeitalter. Sonja Peteranderl zeigt auf, wie sich deutsche Behörden aus ihrer Abhängigkeit von Trump-hörigen Tech-Konzernen lösen können. Dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk hierzulande nicht nur innenpolitisch unter Druck steht, sondern auch ausländische Regierungen politisch Einfluss auszuüben versuchen, zeigt Wolfgang Kraushaar am Beispiel der Kontroverse um die ARD-Israel-Korrespondentin Sophie von der Tann. Und Georg Diez plädiert angesichts der wachsenden Stimmenanteile der AfD für die Abkehr von Parteidisziplin und den Umbau der Demokratie hin zu einer zielorientierten Zwei-Drittel-Republik.