In einem goldfarbenen Luxusbus passierte der indische Premier Atal Bihari Vajpayee am 20. Februar 1999 die indisch-pakistanische Grenze im Punjab und wurde im Grenzort Wagah von seinem pakistanischen Kollegen Nawaz Sharif mit allen Ehren empfangen. Zehn Jahre nach dem letzten Besuch eines indischen Regierungschefs im verfeindeten Nachbarland sollte die spektakuläre Reise der Auftakt sein für eine Ära der Entspannung in Südasien. Der eigentliche Gipfel im Lahore war reich an Symbolik und wohlwollenden Erklärungen. An dem Ort, wo die Muslim League 1940 mit ihrer Pakistan-Resolution erstmals die Teilung Britisch-Indiens gefordert hatte, stellte Vajpayce klar, daß ein stabiles Pakistan im ureigensten Interesse Indiens sei, und erteilte damit den radikalen irredentistischen Stimmen in seiner Heimat eine eindeutige Absage. In der Labore-Deklaration bekundeten beide Seiten ihre gemeinsame Vision von Frieden und Wohlstand, ihr Verantwortungsbewußtsein hinsichtlich der Nuklearrüstung und die Absicht, das Abkommen von Simla umzusetzen, in dem sich Pakistan 1972 nach dem verlorenen Krieg um Bangladesch mit der bilateralen Regelung aller Probleme - einschließlich Kaschmir - einverstanden erklärt hatte.
In der März-Ausgabe spannt sich der Bogen von der Antike bis zur Gegenwartskrise: Markus Linden zeigt, wie die Neue Rechte Platon und Cicero für ihre antiliberale Propaganda vereinnahmt. Maike Albath beleuchtet, wie Giorgia Meloni der italienischen Rechten ein vermeintlich harmloses, mütterliches Image verleiht. Antje Schrupp bilanziert die Politik der Gleichstellung und fragt, wie weibliche Freiheit in einem postpatriarchalen Zeitalter neu gedacht werden kann. Zum Holocaust-Gedenktag fordert die Auschwitz-Überlebende Tova Friedman in einem eindringlichen Appell entschlossenes Handeln gegen den wieder aufblühenden Antisemitismus. Eva Illouz diskutiert mit Dieter Thomä, wie im Schatten des Gazakrieges die Voraussetzungen für eine friedliche Zukunft in Nahost geschaffen werden könnten. Wolfgang Zellner analysiert, wie Europa angesichts des drohenden Zerfalls der Nato seine Souveränität bewahren kann. Robert Misik plädiert für einen radikalen Linksliberalismus als Antwort auf den rechten Autoritarismus. Und während Jochen Ahlswede 15 Jahre nach Fukushima vor einer Entmachtung der Atomsicherheitsbehörden warnt, fragt Frank Adloff, wie sich eine ökologische Zukunft trotz multipler Krisen offenhalten lässt.