Ausgabe Oktober 1999

Auf dem Unsäglichkeitsberg

Martin Walser, Ignatz Bubis und die tausend Briefe

Was Martin Walser vor einem Jahr mit seiner "Sonntagsrede" in der Frankfurter Paulskirche auslöste, welche Wirkungen sein mit stehendem Applaus bedachter Antrag auf deutsche Normalität ohne "die unaufhörliche Präsentation unserer Schande" nach sich gezogen hat, darauf wurde, wer es seinerzeit nicht realisiert oder schon vergessen hatte, durch das letzte Interview von Ignatz Bubis gestoßen. (Zum Tod von Bubis vgl. Hans Jakob Ginsburg in der Septemberausgabe.) Ein Jahr nach der Provokation des Schriftstellers erscheint nun ein umfangreicher Band zur Debatte zwischen Walser und Bubis. Letzterer hatte bei einer Berliner Gedenkfeier zum 9. November auf Walsers Versuch geantwortet, "Geschichte zu verdrängen". (Die Reden von Walser und Bubis sind dokumentiert in "Blätter", 1/1999; vgl. auch den Beitrag von Gerd Steffens, Martin Walser oder die Unberührbarkeit des Glücks, "Blätter", 4/1999.) In dem jetzt erscheinenden Band werden Beiträge zur Diskussion dokumentiert, aber auch ein Teil der Briefe an Bubis und Walser. Beide gemeinsam haben diese Auswahl getroffen. Wulf D. Hund konnte mit freundlicher Genehmigung der Kontrahenten sämtliche Briefe (beim Zentralrat der Juden in Deutschland und beim Suhrkamp Verlag) einsehen und hat sie ausgewertet. - D. Red.

Oktober 1999

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Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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