Die Ablehnung des Umfassenden Verbots von Nuklearversuchen (Comprehensive Nuclear Test Ban Treaty, CTBT) durch den US-Senat am 13. Oktober 1999 setzt den Rückzug der Vereinigten Staaten aus der multilateralen Diplomatie und Rüstungskontrolle fort. In den letzten Jahren ist es für die Clinton-Administration immer schwieriger geworden, die parlamentarische Zustimmung zur Beteiligung an internationalen Institutionen zu erhalten. Zwar kam 1997 nach erheblichen Anstrengungen die notwendige Zweidrittelmehrheit für die Ratifikation der Chemiewaffenkonvention zustande, aber die USA haben bis heute weder das internationale Verbot von Landminen gezeichnet noch sind sie Mitglied des Internationalen Strafgerichtshofes. Die Beitragszahlungen an die Vereinten Nationen blockiert der Kongress ohnehin seit Jahren. Die Weigerung, den CTBT zu ratifizieren, stellt eine neue Qualität dar: "Niemals zuvor sind die Ansichten unserer engsten Verbündeteten so leichtfertig missachtet worden. Niemals zuvor hat der Senat einen Vertrag dieser Bedeutung so abrupt abgelehnt", stellte US-Außenministerin Madeleine Albright fest. Der CTBT kann ohne die Zustimmung des US-Senats nicht in Kraft treten.
In der Juni-Ausgabe deutet Andreas Püttmann den Aufstieg der Rechten als Ausdruck einer tiefgreifenden kulturellen Krise und eines entgrenzten Narzissmus. Meron Mendel plädiert für eine Pluralisierung der Erinnerungskultur, die nicht nur warnt, sondern auch verbindet. Angesichts des gegenwärtigen autoritären Umbruchs entwirft Franziska Brantner einen neuen Liberalismus, der Freiheit, Gerechtigkeit und Nachhaltigkeit zusammendenkt. Nina Kolleck erklärt, warum die Nutzung von Social Media kein Privatproblem ist und die Verantwortung für deren gravierende Folgen zuvorderst bei den Plattformbetreibern liegt. Carola Lentz würdigt die Geschichte des Goethe-Instituts und die demokratische Qualität seiner Kulturarbeit, die heute zunehmend in das Fahrwasser rauer Machtpolitik gerate. Wolfgang Zellner lotet in einer von Ordnungszerfall und Großmachtkonkurrenz geprägten Welt die Handlungsspielräume Europas aus, während Wolfgang Kaleck fragt, wie sich das Völkerrecht gegen Trump verteidigen – und weiterentwickeln – lässt.