Ausgabe Februar 2000

Weißt du noch - damals Kamerad?

100 Jahre Deutscher Fußballbund

Da trägt die intellektuelle Linke grosso modo in ihrem Herzen stets das Abziehbild vom e i g e n t l i c h proletarischen Fußball. Das paßt halt so schön ins Weltbild. Der mittels sozialer Verortung in der Arbeiterschaft per se als w i d e rs p e n s t i g ausgewiesene Sport sei dann irgendwann der bürgerlichen Z ä h m u n g anheimgefallen. So hätte man es gern, und doch bleiben Restbestände von Unsicherheit. 1) Inzwischen kann die Romantik-Fraktion im Vorfeld des 100. DFB-Geburtstages unverhofften Zulauf vermelden. Der Präsident des Deutschen Fußballbundes gab, angeblich nach Sichtung von "vielen zeitgeschichtlichen Dokumenten ", bekannt, die Anfänge des deutschen Fußballs gingen auf " ein paar Außenseiter der unteren Klasse" zurück. 2) Und was der beste aller guten Menschen von Aachen verkündet, gilt dem Zentralorgan der Verbandsfangemeinde normalerweise als Botschaft ex cathedra. Folglich bejubelte anschließend der "Kicker"-Chefredakteur den beispiellosen Aufstieg des Fußballs "vom verfemten Proletarier-Sport zur VorzeigeAdresse". 3) Doch auch der prominente Beistand schafft es nicht, aus den schwärmerischen Anwandlungen vom Arbeitersport historische Tatbestände zu machen.

Sie haben etwa 3% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 97% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1€)
Digitalausgabe kaufen (10€)
Anmelden

Weitere Artikel zum Thema

Über den Verfassungspatriotismus hinaus

von Meron Mendel

Während des Historikerstreits 1986 wehrte sich Jürgen Habermas erfolgreich gegen die Relativierung des Holocaust und hoffte, die Deutschen würden statt einer konventionellen Nationalidentität einen Verfassungspatriotismus entwickeln. Heute sollte dieses abstrakte Konzept mit konkreten Inhalten gefüllt werden.