Ausgabe Februar 2000

Weißt du noch - damals Kamerad?

100 Jahre Deutscher Fußballbund

Da trägt die intellektuelle Linke grosso modo in ihrem Herzen stets das Abziehbild vom e i g e n t l i c h proletarischen Fußball. Das paßt halt so schön ins Weltbild. Der mittels sozialer Verortung in der Arbeiterschaft per se als w i d e rs p e n s t i g ausgewiesene Sport sei dann irgendwann der bürgerlichen Z ä h m u n g anheimgefallen. So hätte man es gern, und doch bleiben Restbestände von Unsicherheit. 1) Inzwischen kann die Romantik-Fraktion im Vorfeld des 100. DFB-Geburtstages unverhofften Zulauf vermelden. Der Präsident des Deutschen Fußballbundes gab, angeblich nach Sichtung von "vielen zeitgeschichtlichen Dokumenten ", bekannt, die Anfänge des deutschen Fußballs gingen auf " ein paar Außenseiter der unteren Klasse" zurück. 2) Und was der beste aller guten Menschen von Aachen verkündet, gilt dem Zentralorgan der Verbandsfangemeinde normalerweise als Botschaft ex cathedra. Folglich bejubelte anschließend der "Kicker"-Chefredakteur den beispiellosen Aufstieg des Fußballs "vom verfemten Proletarier-Sport zur VorzeigeAdresse". 3) Doch auch der prominente Beistand schafft es nicht, aus den schwärmerischen Anwandlungen vom Arbeitersport historische Tatbestände zu machen.

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Aktuelle Ausgabe Juni 2026

In der Juni-Ausgabe deutet Andreas Püttmann den Aufstieg der Rechten als Ausdruck einer tiefgreifenden kulturellen Krise und eines entgrenzten Narzissmus. Meron Mendel plädiert für eine Pluralisierung der Erinnerungskultur, die nicht nur warnt, sondern auch verbindet. Angesichts des gegenwärtigen autoritären Umbruchs entwirft Franziska Brantner einen neuen Liberalismus, der Freiheit, Gerechtigkeit und Nachhaltigkeit zusammendenkt. Nina Kolleck erklärt, warum die Nutzung von Social Media kein Privatproblem ist und die Verantwortung für deren gravierende Folgen zuvorderst bei den Plattformbetreibern liegt. Carola Lentz würdigt die Geschichte des Goethe-Instituts und die demokratische Qualität seiner Kulturarbeit, die heute zunehmend in das Fahrwasser rauer Machtpolitik gerate. Wolfgang Zellner lotet in einer von Ordnungszerfall und Großmachtkonkurrenz geprägten Welt die Handlungsspielräume Europas aus, während Wolfgang Kaleck fragt, wie sich das Völkerrecht gegen Trump verteidigen – und weiterentwickeln – lässt.

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