Ausgabe Juli 2000

Ein historischer Kompromiß?

Die Vereinbarung über den Atomausstieg

Einen Kompromiss wie die "Vereinbarung zwischen der Bundesregierung und den Energieversorgungsunternehmen vom 14. Juni 2000" hätten CDU/CSU nicht durchsetzen können. Befristung der Regellaufzeit auf 32 Kalenderjahre, auf dieser Grundlage die anlagenbezogene Festlegung von noch maximal zu produzierenden Strommengen ab dem 1. Januar 2000 (Reststrommenge) und ein Flexibilisierungsmodell, nach dem Strommengen von weniger wirtschaftlichen auf wirtschaftlichere Anlagen übertragen werden können - das hätten Politiker von SPD und Grünen im Schulterschluss mit den Umweltverbänden bekämpft. Kein neues Phänomenen: Linke Regierungen setzen Politiken durch, die ihre politischen Gegner vor eine gesellschaftliche Zerreißprobe gestellt hätten. Man denke nur an die von sozialdemokratischen Regierungen implementierte Politik der Lohnzurückhaltung in den Niederlanden oder das britische Prinzip "Keine Rechte ohne Verpflichtungen" in bezug auf Sozialleistungen. Die Einigung markiert eine historische Zäsur. Seit rund drei Jahrzehnten bildet die Diskussion um die Atomenergie die "Arena eines gesellschaftlichen Konflikts". 1)

Nun scheint das Patt in der Energiepolitik durchbrochen, eine gesellschaftliche Befriedung wahrscheinlich.

Sie haben etwa 11% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 89% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1€)
Digitalausgabe kaufen (10€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe März 2026

In der März-Ausgabe spannt sich der Bogen von der Antike bis zur Gegenwartskrise: Markus Linden zeigt, wie die Neue Rechte Platon und Cicero für ihre antiliberale Propaganda vereinnahmt. Maike Albath beleuchtet, wie Giorgia Meloni der italienischen Rechten ein vermeintlich harmloses, mütterliches Image verleiht. Antje Schrupp bilanziert die Politik der Gleichstellung und fragt, wie weibliche Freiheit in einem postpatriarchalen Zeitalter neu gedacht werden kann. Zum Holocaust-Gedenktag fordert die Auschwitz-Überlebende Tova Friedman in einem eindringlichen Appell entschlossenes Handeln gegen den wieder aufblühenden Antisemitismus. Eva Illouz diskutiert mit Dieter Thomä, wie im Schatten des Gazakrieges die Voraussetzungen für eine friedliche Zukunft in Nahost geschaffen werden könnten. Wolfgang Zellner analysiert, wie Europa angesichts des drohenden Zerfalls der Nato seine Souveränität bewahren kann. Robert Misik plädiert für einen radikalen Linksliberalismus als Antwort auf den rechten Autoritarismus. Und während Jochen Ahlswede 15 Jahre nach Fukushima vor einer Entmachtung der Atomsicherheitsbehörden warnt, fragt Frank Adloff, wie sich eine ökologische Zukunft trotz multipler Krisen offenhalten lässt.

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema