Die vergangenen 13 Jahre haben uns zu Zeugen massiver Symbiosen auf den Balkan gemacht, schlimmer Variationen auf "Eine Hand wäscht die andere" oder "Du brauchst mich für deine Dreckarbeit und ich dich für meine, arbeiten wir also zusammen" - eine Art wechselseitig vorteilhafter Übereinkünfte, Böses zu tun. Diese Symbiosen begannen großenteils mit Slobodan Milosevic, und so endeten sie auch mit seinem Sturz, den der Aufstand der Opposition zugunsten des neugewählten Präsidenten Vojislav Kostunica in diesem Herbst 2000 bewirkte. Erinnern wir uns der späten 80er Jahre, als Milosevic seine Version eines Serbiens betrieb, das als der Motor eines neuerlich zentralisierten Jugoslawiens fungieren sollte. Dies löste von Anfang an Widerstand aus, nicht nur bei den Kosovo-Albanern, sondern auch bei Kroaten und Slowenen. Alle drei Nationalitäten ließen sich von Milosevics nationalistischem Programm anstecken und gingen ihrerseits auf Unabhängigkeitskurs: in Richtung auf eine Republik Kosovo, eine kroatische und eine slowenische Republik. Ohne Milosevic hätten ihre Ambitionen nicht gedeihen können.
In der Februar-Ausgabe analysiert Ferdinand Muggenthaler die Folgen des US-Militärschlags in Venezuela für Lateinamerika – und erläutert, an welche Grenzen Trumps imperiale Ambitionen auf dem Subkontinent stoßen könnten. Nach vier Jahren russischer Vollinvasion und einem Jahr Trump ist die Ukraine zu einem zentralen Schauplatz im Ringen um eine imperiale globale Ordnung avanciert, argumentiert Steffen Vogel. Ulrich Menzel beschreibt die Konturen des heranbrechenden neuen imperialistischen Zeitalters, in dem das »Trio infernale« – USA, Russland und China – miteinander um die globale Vorherrschaft ringt. Seyla Benhabib beleuchtet unter Rückgriff auf das Denken Hannah Arendts die dramatischen Herausforderungen der Demokratie im planetarischen Zeitalter. Sonja Peteranderl zeigt auf, wie sich deutsche Behörden aus ihrer Abhängigkeit von Trump-hörigen Tech-Konzernen lösen können. Dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk hierzulande nicht nur innenpolitisch unter Druck steht, sondern auch ausländische Regierungen politisch Einfluss auszuüben versuchen, zeigt Wolfgang Kraushaar am Beispiel der Kontroverse um die ARD-Israel-Korrespondentin Sophie von der Tann. Und Georg Diez plädiert angesichts der wachsenden Stimmenanteile der AfD für die Abkehr von Parteidisziplin und den Umbau der Demokratie hin zu einer zielorientierten Zwei-Drittel-Republik.