Als Paulus noch Saulus war, nämlich ein böser Jude, der Christen piesackte, und nicht - wie ihn die "Welt" kürzlich unter Berufung auf ihre apokryphe Redaktionsbibel avancierte - "der römische Offizier Saulus", da begegnete ihm auf der Straße nach Damaskus der liebe Gott in Gestalt des Sohnes. Nicht einfach so, sondern in einem gewaltigen Auftritt. Es donnerte und blitzte. Saulus ging mit seinen Gefährten zu Boden. Und er schlug - das ist, wie wir noch erfahren werden, in solchen Situationen üblich - mutmaßlich die Hände vor dem Gesicht zusammen. Meine "Allgemeine Realencyclopädie oder Conversationslexikon für das katholische Deutschland", bearbeitet von einem Vereine katholischer Gelehrter, enthüllte 1848 wie es weiterging: "Eine himmlische, Allen vernehmbare Stimme rief folgende Worte [...], die aber blos Saul verstand: 'Ich bin Jesus von Nazareth, den du verfolgst. Es wird dir schwer werden, wider den Stachel zu lecken.' Da fühlte Saul den Sinn der Worte, daß es schwer seyn werde, den Mächtigen zu widerstehen; sein Herz war gerührt u. er fragte erschrocken u. demüthig: 'Herr was willst du, daß ich thun soll.' Die Stimme befahl ihm nun, nach Damask zu gehen, wo er durch den Mund eines Dieners Gottes das Weitere erfahren würde.
In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.