Ausgabe September 2001

Indonesien: Alles bleibt anders

Der 23. Juli 2001 markiert einen Einschnitt in der kurzen Geschichte der indonesischen Demokratie, an diesem Tag stürzte die Volksversammlung Präsident Abdurahman Wahid nach nur 19 Monaten im Amt und wählte die Vizepräsidentin Megawati Sukamoputri zum neuen Staatsoberhaupt. Wahid - der noch wenige Tage zuvor mit der Auflösung der Volksversammlung und der Ausrufung des Staatsnotstandes gedroht hatte - verließ widerstrebend den Präsidentenpalast und kurz darauf auch Indonesien - in die Vereinigten Staaten, wo er sich medizinischen Untersuchungen unterzog. Woran scheiterte Wahid, von seinen Anhängern Gus Dur ("großer Bruder") genannt, im höchsten Staatsamt, und wofür steht seine Nachfolgerin? Im Ausland wurde der Machtwechsel in Indonesien einhellig begrüßt - an den Finanzmärkten stieg der Kurs der Landeswährung: ein Dollar kostete 9900 statt 11300 Rupien - Ausdruck des Vertrauens der Wirtschaft in die neue Präsidentin. Wie aber steht es um die Reform von Staat und Gesellschaft in einem Land, das seit seiner Unabhängigkeit von den Niederlanden nur kurze Perioden demokratischer Herrschaft erlebt hat? Der Demokratisierungsprozess scheint in einer Sackgasse angekommen zu sein.

Die Krisensignale mehren sich in dem südostasiatischen Inselreich, dessen Dimensionen auf Europa übertragen von London bis Bagdad reichen würden.

Sie haben etwa 8% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 92% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1€)
Digitalausgabe kaufen (10€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema

Euphorie und Ernüchterung: Bangladesch nach dem Aufstand

von Natalie Mayroth, Dil Afrose Jahan

Im September fanden an der Universität Dhaka, einer der wichtigsten Hochschulen Bangladeschs, Wahlen zur Studentenvereinigung statt. Manche sehen sie als Testlauf für die nationalen Wahlen. Daher ist es ein Warnsignal, dass dort ausgerechnet der Studentenflügel der islamistischen Jamaat-e-Islami gewann.