Ausgabe Mai 2002

Serbien und Montenegro: Solania ante portas

Wenn drei Personen den Pass desselben Staates besitzen, bedeutet das im Falle der Bundesrepublik Jugoslawien nicht, dass diese drei Personen auch tatsächlich wie Bürger ein und desselben Staates leben. Nehmen wir die exemplarische Geschichte vom Bürger S., einem Serben aus Belgrad. Er würde kaum freiwillig in die südserbische Provinz Kosovo fahren, um dort, sagen wir, seinen albanischen Studienfreund, die Person A., zu besuchen. Die Probleme würden schon mit dem Kleingeld anfangen: Seine jugoslawischen Dinare sind im Kosovo wertlos, da die UN-Verwaltung sie abgeschafft und durch den Euro ersetzt hat.

Aber dies wäre die geringste Schwierigkeit. Vielmehr hätte S. als Serbe im Kosovo, im eigenen Land, um seine körperliche Unversehrtheit zu fürchten, denn mehrere zehntausend NATO-Soldaten reichen, wie der Alltag beweist, nicht aus, um dort die persönliche Sicherheit nichtalbanischer Minderheiten zu garantieren. Mitbürger A. fände mehr oder weniger aus demselben Grund einen Besuch in Belgrad wenig begeisternd. Er würde es in der nominellen Hauptstadt seines Staates sorgfältig vermeiden, sich als Albaner zu "outen" niemand könnte dann für seine persönliche Sicherheit garantieren. A. und S. könnten sich jedoch zum gemeinsamen Urlaub in Montenegro, bei M., ihrem früheren Kommilitonen treffen.

Sie haben etwa 9% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 91% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1€)
Digitalausgabe kaufen (10€)
Anmelden

Weitere Artikel zum Thema

Schutzzölle und Ratlosigkeit: Europa und der China-Schock

von Merle Groneweg

Schon im Mai 2024 schrieb Paul Krugman, Nobelpreisträger für Wirtschaftswissenschaften, in seiner Kolumne für die »New York Times«, inzwischen sei klar, »dass sich ein zweiter China-Schock aufbaut«. Der sogenannte erste China-Schock bezieht sich auf die 1990er und 2000er Jahre, als Importe aus China schätzungsweise 1,5 Millionen Arbeitsplätze im verarbeitenden Gewerbe der USA verdrängten.