Ausgabe März 2004

Juppés Fall, Chiracs Schwäche

Die Verurteilung des früheren Premierministers Alain Juppé wegen politischer Korruption trifft nicht irgendwen, sondern den Kronprinzen der französischen Rechten. Sie erinnert die politische Klasse des Landes daran, wie schwach die von Jacques Chirac während der letzten 30 Jahre geschaffene Wahlmaschine in Wirklichkeit ist.

Obwohl er sich dreißig Jahre lang unermüdlich nach oben gehangelt hat, bleibt Chirac bis zum heutigen Tage eine Art Zufallspräsident. Jetzt weckt ein anderer "Zufall" tiefe Zweifel an seiner Zukunft, und nicht minder an jener der von ihm geführten politischen Formation.

Juppés Verurteilung fiel unerwartet streng aus: 18 Monate Haft auf Bewährung und ein zehnjähriges Verbot, öffentliche Ämter zu bekleiden. Das ist mehr, als von der Staatsanwaltschaft gefordert, und bei weitem mehr, als die politische Klasse erwartete. Deren Angehörige würden wohl überwiegend jenem Juppé- Anhänger zustimmen, der erklärte, der Ex-Premier "zahlt für alle". Juppé legte Berufung ein.

In der Vergangenheit war schon ein Schatzmeister der Sozialistischen Partei wegen der gleichen Art illegaler Parteifinanzierung verurteilt worden.

Sie haben etwa 18% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 82% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1€)
Digitalausgabe kaufen (10€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema

Holger Friedrich und die OAZ: Wie ein Verleger Demokratiefeinde hofiert

von Matthias Meisner

Auf dem deutschen Medienmarkt gibt es seit Ende Februar eine neue Zeitung. Das ist angesichts der andauernden Krise der Printmedien bemerkenswert. Doch über die »Ostdeutsche Allgemeine Zeitung« gibt es noch weit mehr zu sagen.