Ausgabe Dezember 2004

Von Fortuyn zu Van Gogh

Am 3. November wurde der holländische Filmemacher und Publizist Theo Van Gogh von einem extremistischen Muslim in Amsterdam auf offener Straße ermordet. Der Mörder, der sowohl die niederländische als auch die marokkanische Staatsangehörigkeit besitzt, hatte seine Tat gut vorbereitet und ging mit äußerster Brutalität vor. Ein Brief, der am Körper Van Goghs gefunden wurde, richtete Drohungen an Politiker, vor allem aber an die Adresse der liberalen Politikerin Ayaan Hirsi Ali. Zusammen mit ihr hatte Van Gogh, der seine Kritik bevorzugt gegen die multikulturelle Gesellschaft und den Islam richtete, im letzten Sommer den Kurzfilm Submission Part 1 gedreht. Der Film, der frauenfeindliche Texte im Koran anprangert, wurde im holländischen Fernsehen ausgestrahlt und sorgte für viel Aufregung. Es folgten Todesdrohungen an die Adressen Van Goghs und Hirsi Alis. Die Politikerin erhielt Personenschutz, während Van Gogh diesen ablehnte. Die holländischen Behörden drängten ihn auch nicht sonderlich dazu, diesen Schutz anzunehmen, denn spätestens seit dem Mord an dem Rechtspopulisten Pim Fortuyn sind Morddrohungen an Politiker und Künstler in den Niederlanden an der Tagesordnung. Angst vor einem Attentat spielte Van Gogh noch kurz vor seinem Tod mit der Bemerkung herunter: "Wenn es passiert, dann passiert es halt".

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Aktuelle Ausgabe Juni 2026

In der Juni-Ausgabe deutet Andreas Püttmann den Aufstieg der Rechten als Ausdruck einer tiefgreifenden kulturellen Krise und eines entgrenzten Narzissmus. Meron Mendel plädiert für eine Pluralisierung der Erinnerungskultur, die nicht nur warnt, sondern auch verbindet. Angesichts des gegenwärtigen autoritären Umbruchs entwirft Franziska Brantner einen neuen Liberalismus, der Freiheit, Gerechtigkeit und Nachhaltigkeit zusammendenkt. Nina Kolleck erklärt, warum die Nutzung von Social Media kein Privatproblem ist und die Verantwortung für deren gravierende Folgen zuvorderst bei den Plattformbetreibern liegt. Carola Lentz würdigt die Geschichte des Goethe-Instituts und die demokratische Qualität seiner Kulturarbeit, die heute zunehmend in das Fahrwasser rauer Machtpolitik gerate. Wolfgang Zellner lotet in einer von Ordnungszerfall und Großmachtkonkurrenz geprägten Welt die Handlungsspielräume Europas aus, während Wolfgang Kaleck fragt, wie sich das Völkerrecht gegen Trump verteidigen – und weiterentwickeln – lässt.

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