Ausgabe August 2005

NRW-Koalition: Gewollt unscharf

Eine "Koalition der Mitte" und "Koalition der Erneuerung" soll es sein. Nach fast 39 Jahren sozialdemokratischer Regierungsherrlichkeit wird Nordrhein- Westfalen seit dem 22. Juni wieder von einem Christdemokraten regiert. Welche Konsequenzen diese historische Zäsur für die Menschen in dem bevölkerungsreichsten Bundesland nach sich ziehen werden, liegt bislang indes weitgehend im Dunkeln. Noch sind die Konturen der neuen schwarz-gelben Regierung unscharf – und sie werden es wohl auch zumindest bis zur Bundestagswahl bleiben.

Denn schließlich ist die Ausgangslage bei der kommenden Bundestagswahl im Herbst vergleichbar mit der bei der Wahl am 22. Mai in Nordrhein- Westfalen. Der Erdrutschsieg der Christdemokraten an Rhein und Ruhr resultierte weder daraus, dass die Wählerinnen und Wähler in Jürgen Rüttgers den besseren Spitzenkandidaten gegenüber seinem SPD-Pendant Peer Steinbrück erkannten, noch dass sie das politische Angebot der CDU für wirklich überzeugender hielten. Es war nicht die eigene Stärke, die Schwarz- Gelb zum Erfolg führte, sondern die Schwäche der regierenden Koalition. Die Abnutzungserscheinungen waren unübersehbar, viele Menschen wollten einfach einen Regierungswechsel – ohne sich jedoch unbedingt einen grundsätzlichen Politikwechsel zu wünschen. Entsprechend galt es für den Herausforderer Rüttgers, dem politischen Gegner im Wahlkampf so wenig Angriffsfläche wie möglich bieten.

Sie haben etwa 11% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 89% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1€)
Digitalausgabe kaufen (10€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe März 2026

In der März-Ausgabe spannt sich der Bogen von der Antike bis zur Gegenwartskrise: Markus Linden zeigt, wie die Neue Rechte Platon und Cicero für ihre antiliberale Propaganda vereinnahmt. Maike Albath beleuchtet, wie Giorgia Meloni der italienischen Rechten ein vermeintlich harmloses, mütterliches Image verleiht. Antje Schrupp bilanziert die Politik der Gleichstellung und fragt, wie weibliche Freiheit in einem postpatriarchalen Zeitalter neu gedacht werden kann. Zum Holocaust-Gedenktag fordert die Auschwitz-Überlebende Tova Friedman in einem eindringlichen Appell entschlossenes Handeln gegen den wieder aufblühenden Antisemitismus. Eva Illouz diskutiert mit Dieter Thomä, wie im Schatten des Gazakrieges die Voraussetzungen für eine friedliche Zukunft in Nahost geschaffen werden könnten. Wolfgang Zellner analysiert, wie Europa angesichts des drohenden Zerfalls der Nato seine Souveränität bewahren kann. Robert Misik plädiert für einen radikalen Linksliberalismus als Antwort auf den rechten Autoritarismus. Und während Jochen Ahlswede 15 Jahre nach Fukushima vor einer Entmachtung der Atomsicherheitsbehörden warnt, fragt Frank Adloff, wie sich eine ökologische Zukunft trotz multipler Krisen offenhalten lässt.

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema