Ausgabe September 2005

Kreuzzug gegen Terror

Politik mit der Apokalypse

Das gegenwärtige weltpolitische Szenario wird, völlig unerwartet für die Europäer, sowohl im politischen Islam wie im hegemonialen Amerika von apokalyptischen Weltdeutungen bestimmt. Auf der einen Seite sieht sich der Westen existenziell bedroht durch einen apokalyptischen Terrorismus islamischer Herkunft. Die Attentäter des 11. September und ihre Nachfolger, von Madrid bis London, sahen sich als Märtyrer ihres Glaubens und Vollzieher des göttlichen Strafgerichts am "großen Satan", der westlich-amerikanischen "Welt der Gottlosen". Religionswissenschaftler wie Hans G. Kippenberg vertreten die Ansicht, dass wir es hier mit einer noch wenig erforschten Form islamischer Apokalyptik zu tun haben, die sich anmaßt, das Böse auszurotten.1

Gleiches trifft jedoch auf ihre westlichen Gegner zu: Mit der Konversion George W. Bushs zum wiedergeborenen Christen mit dem Weltbild der Apokalyptik erleben wir etwas ebenso Neues, in der amerikanischen Politik bisher noch nicht Dagewesenes. Zwar hatte schon Ronald Reagan seinen Antikommunismus endzeitlich-chiliastisch begründet. Die Sowjetunion galt ihm als evil empire, als "Reich des Bösen". Unter George W. Bush wurde aus Reagans "Reich des Bösen" dann die "Achse des Bösen".

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Aktuelle Ausgabe Februar 2026

In der Februar-Ausgabe analysiert Ferdinand Muggenthaler die Folgen des US-Militärschlags in Venezuela für Lateinamerika – und erläutert, an welche Grenzen Trumps imperiale Ambitionen auf dem Subkontinent stoßen könnten. Nach vier Jahren russischer Vollinvasion und einem Jahr Trump ist die Ukraine zu einem zentralen Schauplatz im Ringen um eine imperiale globale Ordnung avanciert, argumentiert Steffen Vogel. Ulrich Menzel beschreibt die Konturen des heranbrechenden neuen imperialistischen Zeitalters, in dem das »Trio infernale« – USA, Russland und China – miteinander um die globale Vorherrschaft ringt. Seyla Benhabib beleuchtet unter Rückgriff auf das Denken Hannah Arendts die dramatischen Herausforderungen der Demokratie im planetarischen Zeitalter. Sonja Peteranderl zeigt auf, wie sich deutsche Behörden aus ihrer Abhängigkeit von Trump-hörigen Tech-Konzernen lösen können. Dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk hierzulande nicht nur innenpolitisch unter Druck steht, sondern auch ausländische Regierungen politisch Einfluss auszuüben versuchen, zeigt Wolfgang Kraushaar am Beispiel der Kontroverse um die ARD-Israel-Korrespondentin Sophie von der Tann. Und Georg Diez plädiert angesichts der wachsenden Stimmenanteile der AfD für die Abkehr von Parteidisziplin und den Umbau der Demokratie hin zu einer zielorientierten Zwei-Drittel-Republik.

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