Ausgabe September 2005

Kreuzzug gegen Terror

Politik mit der Apokalypse

Das gegenwärtige weltpolitische Szenario wird, völlig unerwartet für die Europäer, sowohl im politischen Islam wie im hegemonialen Amerika von apokalyptischen Weltdeutungen bestimmt. Auf der einen Seite sieht sich der Westen existenziell bedroht durch einen apokalyptischen Terrorismus islamischer Herkunft. Die Attentäter des 11. September und ihre Nachfolger, von Madrid bis London, sahen sich als Märtyrer ihres Glaubens und Vollzieher des göttlichen Strafgerichts am "großen Satan", der westlich-amerikanischen "Welt der Gottlosen". Religionswissenschaftler wie Hans G. Kippenberg vertreten die Ansicht, dass wir es hier mit einer noch wenig erforschten Form islamischer Apokalyptik zu tun haben, die sich anmaßt, das Böse auszurotten.1

Gleiches trifft jedoch auf ihre westlichen Gegner zu: Mit der Konversion George W. Bushs zum wiedergeborenen Christen mit dem Weltbild der Apokalyptik erleben wir etwas ebenso Neues, in der amerikanischen Politik bisher noch nicht Dagewesenes. Zwar hatte schon Ronald Reagan seinen Antikommunismus endzeitlich-chiliastisch begründet. Die Sowjetunion galt ihm als evil empire, als "Reich des Bösen". Unter George W. Bush wurde aus Reagans "Reich des Bösen" dann die "Achse des Bösen".

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Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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