Ausgabe April 2007

Der Wolf im Papstpelz

Die Kirchen sollten sich mit ihren vom Glauben geprägten Vorstellungen in die Diskussionen des demokratischen Rechtsstaates einbringen, auch wenn ihr Glaube längst nicht mehr von allen Bürgern geteilt werde. So der Philosoph Jürgen Habermas in seinem Gespräch mit dem damaligen Präfekten der Glaubenskongregation, Joseph Ratzinger, im Januar 2004.1

Und Habermas sattelte noch einen drauf: Auch die säkularisierten Bürger sollten sich an der Anstrengung beteiligen, „relevante Beiträge aus der religiösen in eine öffentlich zugängliche Sprache zu übersetzen“. Die Citoyens sollten ein Interesse für die religiös begründeten Vorschläge zu gesellschaftlichen Fragen haben – nicht weil der Staat von Voraussetzungen lebe, die er selber nicht garantieren könne, wie das berühmte Diktum von Ernst-Wolfgang Böckenförde nahe legt, sondern aus der Einsicht, dass auch die Philosophie nach der Aufklärung religiöse Inhalte aufgenommen und übersetzt habe. Aus der Gottesebenbildlichkeit sei beispielsweise die gleiche Würde aller Menschen geworden, so Habermas. Summa: Die Kirchen sind deswegen eine wichtige Stimme, weil sie eine Tradition bewahren, die das Selbstverständnis des modernen Staates mitgeprägt hat und bis heute das Normbewusstsein und die Solidarität von gläubigen Bürgern prägt.

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Aktuelle Ausgabe März 2026

In der März-Ausgabe spannt sich der Bogen von der Antike bis zur Gegenwartskrise: Markus Linden zeigt, wie die Neue Rechte Platon und Cicero für ihre antiliberale Propaganda vereinnahmt. Maike Albath beleuchtet, wie Giorgia Meloni der italienischen Rechten ein vermeintlich harmloses, mütterliches Image verleiht. Antje Schrupp bilanziert die Politik der Gleichstellung und fragt, wie weibliche Freiheit in einem postpatriarchalen Zeitalter neu gedacht werden kann. Zum Holocaust-Gedenktag fordert die Auschwitz-Überlebende Tova Friedman in einem eindringlichen Appell entschlossenes Handeln gegen den wieder aufblühenden Antisemitismus. Eva Illouz diskutiert mit Dieter Thomä, wie im Schatten des Gazakrieges die Voraussetzungen für eine friedliche Zukunft in Nahost geschaffen werden könnten. Wolfgang Zellner analysiert, wie Europa angesichts des drohenden Zerfalls der Nato seine Souveränität bewahren kann. Robert Misik plädiert für einen radikalen Linksliberalismus als Antwort auf den rechten Autoritarismus. Und während Jochen Ahlswede 15 Jahre nach Fukushima vor einer Entmachtung der Atomsicherheitsbehörden warnt, fragt Frank Adloff, wie sich eine ökologische Zukunft trotz multipler Krisen offenhalten lässt.

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