Ausgabe März 2010

Islamophobie und Antisemitismus

Ist es legitim, Islamfeindlichkeit mit Antisemitismus zu vergleichen? Darüber ist eine heftige Debatte zwischen dem Publizisten Henryk M. Broder und dem Leiter des Zentrums für Antisemitismusforschung an der TU Berlin, Wolfgang Benz, entbrannt.

Während Benz Parallelen zwischen Islamfeindlichkeit und Antisemitismus ausmacht,[1] entgegnet Broder, dass derartige Vergleiche ähnlich geistreich seien wie solche zwischen Wehrmacht und Heilsarmee, zwischen Bikini und Burka sowie zwischen der GEZ und der Camorra.[2] Was ist von diesen und anderen Thesen in Broders mit der provokanten Frage „Sind Muslime die Juden von heute?“ überschriebenem Essay zu halten?
Der Titel des Broderschen Essays ist in der Tat eine Provokation, da weder Benz noch andere Personen, die einen komparatistischen Ansatz für sinnvoll erachten, die Position, dass Muslime die Juden von heute seien, je geäußert haben. Vielmehr zeigt die über 2000jährige Geschichte des Antisemitismus, dass dieser bislang leider nicht erfolgreich bekämpft bzw. gar besiegt werden konnte, so dass von einer Ersetzung in keiner Weise die Rede sein kann, wohl schon gar nicht in Deutschland, wo man eine Synagoge nur nach Leibesvisitationen betreten kann und Angst haben muss, wenn man in der Öffentlichkeit eine Kippa trägt.

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In der Februar-Ausgabe analysiert Ferdinand Muggenthaler die Folgen des US-Militärschlags in Venezuela für Lateinamerika – und erläutert, an welche Grenzen Trumps imperiale Ambitionen auf dem Subkontinent stoßen könnten. Nach vier Jahren russischer Vollinvasion und einem Jahr Trump ist die Ukraine zu einem zentralen Schauplatz im Ringen um eine imperiale globale Ordnung avanciert, argumentiert Steffen Vogel. Ulrich Menzel beschreibt die Konturen des heranbrechenden neuen imperialistischen Zeitalters, in dem das »Trio infernale« – USA, Russland und China – miteinander um die globale Vorherrschaft ringt. Seyla Benhabib beleuchtet unter Rückgriff auf das Denken Hannah Arendts die dramatischen Herausforderungen der Demokratie im planetarischen Zeitalter. Sonja Peteranderl zeigt auf, wie sich deutsche Behörden aus ihrer Abhängigkeit von Trump-hörigen Tech-Konzernen lösen können. Dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk hierzulande nicht nur innenpolitisch unter Druck steht, sondern auch ausländische Regierungen politisch Einfluss auszuüben versuchen, zeigt Wolfgang Kraushaar am Beispiel der Kontroverse um die ARD-Israel-Korrespondentin Sophie von der Tann. Und Georg Diez plädiert angesichts der wachsenden Stimmenanteile der AfD für die Abkehr von Parteidisziplin und den Umbau der Demokratie hin zu einer zielorientierten Zwei-Drittel-Republik.

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