Ausgabe März 2010

Ende eines Jahrhundertmythos?

Ketzerische Gedanken über Vergangenheit und Zukunft des Sozialismus

Zum 70. Geburtstag von Rudi Dutschke (7. März 1940 – 24. Dezember 1979)

Vor 20 Jahren haben die osteuropäischen Völker „ein Jahrhundert abgewählt“ (Timothy Garton Ash). Das „Gespenst des Kommunismus“, das zu Zeiten von Marx und Engels „in Europa umging“, ging innerhalb weniger Monate unter – wobei der triumphale Sieg von Helmut Kohls „Allianz für Deutschland“ bei den letzten DDR-Volkskammerwahlen im März 1990 nur einen Zwischenakkord darstellte.

„Was bleibt vom Sozialismus?“, fragten sich seither all jene, für die dieser Begriff nicht nur ein Weltbild konstituiert hat, das jetzt in Scherben lag, sondern auch ein bestimmendes Element ihrer politischen Biographie und Arbeit gewesen ist. Für die „Sieger” im Systemkampf und ihr multimediales Dienstpersonal war die Antwort dagegen klar: Man kann den Sozialismus abschreiben. Mit den „real existierenden Sozialismen” habe sich, verkündeten sie, auch Idee, Utopie, Ethik, Menschenbild und Programm des Sozialismus für alle Zeiten erledigt.

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Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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