Ausgabe April 2010

Griechische Tragödie

Über Staatsverschuldung und die Zähmung der Finanzmärkte

Die griechische Tragödie, die derzeit aufgeführt wird, ist keineswegs auf Griechenland oder auch nur auf Europa beschränkt. Sie ist vielmehr ein weltweites Phänomen. Denn jeder Staat ist verschuldet. Hoch verschuldet.

In der aktuellen Inszenierung des Schauspiels spielt selbst der amerikanische Präsident Barack Obama mit. Er hielt schon im Februar d.J. mit Bundeskanzlerin Angela Merkel und dem britischen Premierminister Gordon Brown eine Videokonferenz ab, um sich über den Ernst der Lage zu verständigen. Schließlich gefährden die hohen Schulden Griechenlands die Währungsunion und damit die machtpolitische Rolle Europas in der globalisierten Welt, was wiederum auch den US-amerikanischen Partner betrifft. Obama, Merkel und Co. werden mit aller Macht zu verhindern versuchen, dass die Staatskrise am Rande Europas zu einem Menetekel für den finanzmarktgetriebenen Kapitalismus insgesamt wird.

Einstweilen jedoch muss Hellas als Sündenbock herhalten. Denn eine griechische Tragödie steht in vielen Ländern auf dem Spielplan. Die Wahrscheinlichkeit eines Staatsbankrotts Athens war sogar bis zur jüngsten Krise aus Sicht „der Märkte“ vergleichsweise niedrig – weit geringer jedenfalls als für das marode Argentinien oder aufstrebende Hoffnungsträger wie Brasilien und Südafrika.

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