Ausgabe August 2010

Was für ein Lebensmensch!

Für einige Tage war der Band verschwunden und halb Kärnten in heller Aufregung: „Wer tut so etwas?“ Den Kritiker aber wundert: Wer schreibt so etwas? Was unter dem Titel „Gästebuch“ daherkommt, parallel zur aktuellen Haider-Ausstellung im Klagenfurter Bergbaumuseum, enttäuscht doch ein wenig, vor allem in der Form.

Der ganze Text ist viel zu schnell dahin geschrieben und streckenweise redundant. Auch ein Haupterzählstrang fehlt gänzlich. Stattdessen finden wir ein Gewirr von Stimmen vor, ein Durcheinander von 112 Erzählern, die nichts Wesentliches zu sagen haben, aber offenbar die Tinte nicht halten konnten: „Danke Jörg!“; „Jörg, du warst einfach super!“; „Ich vermisse dich!“; „Unfassbar, dass du nicht mehr da bist.“ Und nicht zu vergessen: „Hallo Jörg, wir waren hier! […] Alles Gute, wo immer du auch bist.“ Der Leser ahnt, welche Tragödie sich hinter diesen Zeilen verbirgt.

Die Geschichte, die uns hier erzählt wird, beruht auf einer unerhörten Begebenheit, die anderthalb Jahre zurückliegt. Als Ort der Handlung dient jene Gegend Österreichs, wo dem Heimatlied nach „Mannesmut und Frauentreu […] mit Blut die Grenze schrieb“: Kärnten. In einer Oktobernacht fährt der „Lebensmensch“ und Landeshauptmann Jörg H. in den Tod.

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In der Februar-Ausgabe analysiert Ferdinand Muggenthaler die Folgen des US-Militärschlags in Venezuela für Lateinamerika – und erläutert, an welche Grenzen Trumps imperiale Ambitionen auf dem Subkontinent stoßen könnten. Nach vier Jahren russischer Vollinvasion und einem Jahr Trump ist die Ukraine zu einem zentralen Schauplatz im Ringen um eine imperiale globale Ordnung avanciert, argumentiert Steffen Vogel. Ulrich Menzel beschreibt die Konturen des heranbrechenden neuen imperialistischen Zeitalters, in dem das »Trio infernale« – USA, Russland und China – miteinander um die globale Vorherrschaft ringt. Seyla Benhabib beleuchtet unter Rückgriff auf das Denken Hannah Arendts die dramatischen Herausforderungen der Demokratie im planetarischen Zeitalter. Sonja Peteranderl zeigt auf, wie sich deutsche Behörden aus ihrer Abhängigkeit von Trump-hörigen Tech-Konzernen lösen können. Dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk hierzulande nicht nur innenpolitisch unter Druck steht, sondern auch ausländische Regierungen politisch Einfluss auszuüben versuchen, zeigt Wolfgang Kraushaar am Beispiel der Kontroverse um die ARD-Israel-Korrespondentin Sophie von der Tann. Und Georg Diez plädiert angesichts der wachsenden Stimmenanteile der AfD für die Abkehr von Parteidisziplin und den Umbau der Demokratie hin zu einer zielorientierten Zwei-Drittel-Republik.

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