Ausgabe November 2012

Linkes Scheitern, neues Beginnen

Die US-amerikanische Schriftstellerin Susan Sontag nannte ihn „einen der faszinierendsten moralischen und literarischen Helden des 20. Jahrhunderts“. Für den italienischen Linksphilosophen Antonio Negri war er „einer aus dem Geschlecht der Riesen, ein Gigant im Kampf für Freiheit und kollektives Glück“, und für den Soziologen Mike Davis „der wahrscheinlich größte Arbeiter-Schriftsteller des 20. Jahrhunderts“. Der russische Dichter Jewgeni Jewtuschenko schließlich hat einmal berichtet, wie ihm bei einer Lesereise in Mexiko 1968 die Finger erstarrten, als ihm Freunde ermöglichten, auf der Original-Schreibmaschine von Victor Serge die Geister der Vergangenheit erneut zum Leben zu erwecken.

So bemerkenswert diese Zeugnisse sind, so hoffnungslos wäre das Ansinnen, Vergleichbares auch aus deutschem Munde zusammenzutragen. Hier ist Victor Serge nie wirklich angekommen. Dabei hatte es auch im alten Westdeutschland, vor allem im „roten Jahrzehnt“ der 1970er Jahre, nicht an Versuchen gefehlt, seine Arbeiten einem breiten Publikum bekannt zu machen. Serges „Erinnerungen eines Revolutionärs“ wurden mehrfach neu aufgelegt und gleichzeitig diverse seiner historischen Schriften, Essaysammlungen und Romane ins Deutsche übertragen.

November 2012

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In der Februar-Ausgabe analysiert Ferdinand Muggenthaler die Folgen des US-Militärschlags in Venezuela für Lateinamerika – und erläutert, an welche Grenzen Trumps imperiale Ambitionen auf dem Subkontinent stoßen könnten. Nach vier Jahren russischer Vollinvasion und einem Jahr Trump ist die Ukraine zu einem zentralen Schauplatz im Ringen um eine imperiale globale Ordnung avanciert, argumentiert Steffen Vogel. Ulrich Menzel beschreibt die Konturen des heranbrechenden neuen imperialistischen Zeitalters, in dem das »Trio infernale« – USA, Russland und China – miteinander um die globale Vorherrschaft ringt. Seyla Benhabib beleuchtet unter Rückgriff auf das Denken Hannah Arendts die dramatischen Herausforderungen der Demokratie im planetarischen Zeitalter. Sonja Peteranderl zeigt auf, wie sich deutsche Behörden aus ihrer Abhängigkeit von Trump-hörigen Tech-Konzernen lösen können. Dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk hierzulande nicht nur innenpolitisch unter Druck steht, sondern auch ausländische Regierungen politisch Einfluss auszuüben versuchen, zeigt Wolfgang Kraushaar am Beispiel der Kontroverse um die ARD-Israel-Korrespondentin Sophie von der Tann. Und Georg Diez plädiert angesichts der wachsenden Stimmenanteile der AfD für die Abkehr von Parteidisziplin und den Umbau der Demokratie hin zu einer zielorientierten Zwei-Drittel-Republik.

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