Ausgabe Oktober 2013

Putins Nahost-Offensive

Erst die Flucht von Edward Snowden, dann der Syrien-Konflikt: Seit einigen Wochen steht Russland, zur Freude Wladimir Putins, wieder im Mittelpunkt der globalen Politik – und speziell im Nahen Osten. Was für eine erstaunliche Wende! Gewiss, Russlands Vorgänger, die Sowjetunion, war unter den Präsidenten Nikita Chruschtschow und Leonid Breschnew ausgesprochen erfolgreich in der Region. Doch die gescheiterte Afghanistanpolitik Boris Jelzins und dessen Passivität in Nahost machten diese Erfolge zunichte. Erst Wladimir Putin gelang es, die unter Jelzin zerstörten Beziehungen teilweise wieder zu normalisieren, insbesondere zu den dezidiert antiamerikanischen Staaten Iran und Syrien.

Doch der Arabische Frühling, von dessen Ereignissen die Regierung in Moskau schier überrollt wurde, bedeutete einen herben Rückschlag. Während die Vereinigten Staaten alsbald wenigstens Arbeitsbeziehungen zu den neuen Regimes einrichteten, stand Russland abseits.

Bestes Beispiel dafür war der Fall Libyen: Als die Vereinigten Staaten, die Europäische Union und die Arabische Liga die libysche Opposition unterstützten, hielt Moskau an Muammar al-Gaddafi fest, selbst nach dessen Sturz. Ebenso verhält es sich mit Russlands Beziehung zu Syriens Präsidenten Baschar al-Assad: Russland überwacht Syriens Luftraum, versorgt Syriens Luftabwehr mit Informationen und patrouilliert vor dessen Küste.

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Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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