Ausgabe Oktober 2015

Überschreiten und Unterwandern

Albert O. Hirschmans Odyssee durch das 20. Jahrhundert

Bild: Hernán Díaz (1963)

Es ist schwer zu erklären, warum der 100. Geburtstag von Albert O. Hirschman am 7. April dieses Jahres in Deutschland nahezu unbemerkt geblieben ist. Nur die „Frankfurter Rundschau“ brachte einen kurzen Artikel von Claus Leggewie. Dabei war Hirschman einer der unkonventionellsten und kreativsten Sozialwissenschaftler des vergangenen Jahrhunderts. Seine zahlreichen Schriften, darunter sein bekanntestes Werk „Exit, Voice, and Loyalty“, machen ihn zu einem der wichtigsten Sozialtheoretiker jenseits des Mainstreams. Zugleich hat er mit seiner schier unglaublichen Vita dieses Jahrhundert wie nur wenige andere politische Denker an maßgeblichen Schauplätzen miterlebt und geprägt.

Hirschman war zeit seines Lebens ein zutiefst politischer Mensch. Schon als Schüler in Berlin setzt er sich gegen den Faschismus ein, anschließend im spanischen Bürgerkrieg sowie in Frankreich und Italien. In Marseille wird er zum Lebensretter für Naziverfolgte. Während der lateinamerikanischen Militärdiktaturen baut er institutionelle Rettungsflöße für oppositionelles Denken und hilft so dabei, den Boden für die Rückkehr zur Demokratie zu bereiten.

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Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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