Ausgabe Juli 2016

Getrennte Welten: Juden in Berlin

In den letzten Monaten machte die jüdische Gemeinschaft in Deutschland in zweierlei Hinsicht von sich reden. Zum einen attackierte der Zentralrat der Juden Pegida und AfD wiederholt wegen ihrer intoleranten Haltungen gegenüber religiösen Minderheiten. Gleichzeitig äußerte er die Befürchtung, dass der Antisemitismus hierzulande durch die wachsende Zahl arabischer Flüchtlinge anwachsen könnte.

Zum anderen geriet die Jüdische Gemeinde zu Berlin in den Fokus der Aufmerksamkeit. In der mit 10 000 Mitgliedern größten jüdischen Gemeinde Deutschlands wurden im vergangenen Dezember die Mitglieder der Repräsentantenversammlung neu gewählt. Allerdings verlief die Wahl höchst unsauber und wird deshalb bis heute von der Opposition angefochten.[1] Vom Gemeindevorsitzenden Gideon Joffe, der für weitere vier Jahre im Amt bestätigt wurde, gibt es hierzu keinerlei offizielle Verlautbarungen. Dies entspricht seiner Intention, die Gemeinde dem Blick der Öffentlichkeit zu entziehen und deren Veranstaltungen in Richtung einer Spaßgesellschaft umzufunktionieren. Die Sitzungen des Gemeinderates, die ehemals vor Publikum nachgerade preußisch zelebriert wurden, finden heute hinter verschlossenen Türen statt.

Auch die gut besuchten Jüdischen Kulturtage, die der Berliner Senat bislang großzügig unterstützte, fielen im vergangenen Jahr aus.

Sie haben etwa 11% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 89% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1.00€)
Digitalausgabe kaufen (10.00€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema

Micha Brumlik: Ein furchtloser Streiter für die Aufklärung

von Meron Mendel

Als die Hamas am 7. Oktober 2023 Israel überfiel und anschließend der Krieg der Netanjahu-Regierung in Gaza begann, fragten mich viele nach der Position eines Mannes – nach der Micha Brumliks. Doch zu diesem Zeitpunkt war Micha bereits schwer krank. Am 10. November ist er in Berlin gestorben.

Israel in der dekolonialen Matrix

von Eva Illouz

Manchmal kommt es auf der Weltbühne zu Ereignissen, die unmittelbar einen grundlegenden Bruch markieren. Der 7. Oktober 2023 war ein solches Ereignis. Die Hamas verübte Verbrechen gegen die Menschlichkeit, indem sie fast 1200 Israelis ermordete.

Kein »Lernen aus der Geschichte«

von Alexandra Klei, Annika Wienert

Wofür steht der 8. Mai 1945 in der deutschen Erinnerungskultur? Bereits zum 70. und zum 75. Jahrestags beschäftigten wir uns ausführlich mit dieser Frage. Ist dem jetzt, am 80. Jahrestag, etwas Neues hinzuzufügen?