Ausgabe März 2020

Die Merzgefallenen der CDU

Friedrich Merz redet auf dem 32. CDU-Parteitag

Bild: imago images / Sven Simon

Wenn man nicht wüsste, dass sich die CDU – gesegnet mit dem „Kanzler der Einheit“ – als die einzig wahre Deutschlandpartei begreift, könnte man den Eindruck gewinnen, dass wir uns noch immer in der guten alten Zeit der halben, der Bonner Republik befinden: Da marschieren vier Kandidaten im Kampf um den CDU-Vorsitz auf und allesamt kommen sie, als hätte es den Mauerfall nie gegeben, aus NRW.

Offensichtlich gilt dieser Tage: „CDU-Vorsitz is coming home“, in die guten alten Lande des Stammvaters Konrad Adenauer. Und dessen Leitspruch lautete bekanntlich: An des Westens Wesen sollen Land und CDU genesen. Denn wie wusste der Alte aus Rhöndorf: Gleich hinter Magdeburg beginnt die sibirische Steppe, weshalb er präventiv bereits nach dem Grenzübergang Helmstedt die Vorhänge zuzog. Ansonsten gibt es nur ein Motto für den fröhlichen Rheinländer: „Et kütt wie et kütt – und es is noch immer juut jejange.“ Das aber trifft auf den Osten derzeit so gar nicht zu. Und noch viel weniger auf die Ost-CDU, die sich von der AfD brutal beuteln lässt.

Immerhin befindet sich nun mit Friedrich Merz eine wahre Wunderwaffe unter den Kandidaten. Bereits bei seinem letzten gescheiterten Anlauf hatte er versprochen, dass er die AfD glatt halbieren werde. Dumm nur, dass er die so umworbenen Wähler jetzt prompt als „Gesindel“ abqualifizierte, was ihm nicht allzuviel Sympathien oder gar potentielle Stimmen eingebracht haben dürfte. Daran wird auch die artig nachgeschobene Entschuldigung wenig ändern: „Ich habe gestern in #Berlin im Zuge einer Diskussion über #Rechtsradikalismus und gewaltbereite Demonstranten dieses Wort verwendet, damit aber natürlich keineswegs gewählte Abgeordnete oder Wählerinnen und Wähler irgendeiner Partei gemeint“, ließ er reuig verlauten. Man fragt sich nur, wer dann mit Gesindel gemeint war, wenn nicht die AfD: „Jetzt stehen wir wieder da, dreißig Jahre später [nach den Republikanern] und haben diese Leute da sitzen“, hatte Merz gejammert und anschließend posaunt: „Wenn ich dazu beitragen kann, dass dieses Gesindel wieder verschwindet, dann leiste ich diesen Beitrag.“ Nun aber sollte das „natürlich“ nicht mehr so gemeint gewesen sein. Und „natürlich“ waren auch die Frauen nicht gemeint, die Merz sich bei nächster Gelegenheit vorknöpfte. Anspielend auf das zeitgleiche Wüten von Orkantief „Sabine“ und den Rücktritt von Annegret Kramp-Karrenbauer erklärte der alte Blackrocker besonders feingeistig: „Es ist übrigens reiner Zufall, dass Tiefs im Augenblick Frauennamen haben.“ Der feministische Shitstorm folgte auf den Fuß.

Damit waren inzwischen alle tendenziell rechten Männer und sämtliche Frauen beleidigt, also kein ganz unerheblicher Teil der potentiellen CDU-Wählerschaft. Was aber lernen wir daraus? Wenn der neue Vorsitzende nun schon aus dem alten Malocher- und Steiger-Land NRW stammen muss, als dem Inbegriff des alten, weißen, maskulinen Westens, dann sollte er doch wenigstens nicht wie der Inbegriff des alten, weißen Chauvis sprechen. Denn was wissen wir spätestens seit AKK? Mit schlechten Genderwitzen auf allenfalls halb-launigen Veranstaltungen beginnt der Untergang! Wer das nicht beherzigt, dürfte genauso schnell und schmerzhaft scheitern wie Putzfrau Gretel aus Püttlingen. Daher spricht viel dafür, dass es unter den vier Jecken der CDU noch so einige Merzgefallene geben könnte.

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