Ausgabe April 2020

Gegen den Rollback: Therapiefreiheit auch für Homöopathie

Um Sinn und Unsinn der Homöopathie herrscht ein mittlerweile erbitterter Streit. Aktuell kocht er unter anderem bei den Grünen hoch.[1] Im Zentrum steht dabei die Frage, ob die Versichertengemeinschaft die Kosten für „alternative“ Medizin tragen soll oder nicht.

Die bestehenden juristischen Vorgaben galten lange als eindeutig: Die „besonderen Therapierichtungen“ – also explizit die anthroposophische Medizin, die Homöopathie und die Phytotherapie – sind in der Bundesrepublik geschützt. Laut dem Fünften Sozialgesetzbuch werden sie von der Kassenmedizin „nicht ausgeschlossen“, und gemäß Arzneimittelgesetz sind bei deren Beurteilung „die Besonderheiten“ dieser Therapierichtungen zu berücksichtigen.

Eine ganz andere „Klarheit“ zeigt sich indes zumeist in der politischen Debatte – nämlich hinsichtlich der Effekte der Homöopathie: Es lasse sich keine Wirksamkeit beweisen, deshalb sei sie unwirksam, heißt es oft.

Dabei muss aber zunächst einmal geklärt werden, was unter Homöopathie zu verstehen ist. Denn die Homöopathie umfasst verschiedene Arten der Behandlung. Diese unterscheiden sich hinsichtlich des Grades der Verdünnung (Hoch- oder Tiefpotenzen), der Mittelwahl (nach homöopathischer Ähnlichkeitsregel oder anhand bewährter Indikationen) und der Verwendung von Einzel- oder Komplexmitteln.

April 2020

Sie haben etwa 19% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 81% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1.00€)
Digitalausgabe kaufen (10.00€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe Januar 2026

In der Januar-Ausgabe skizziert der Journalist David Brooks, wie die so dringend nötige Massenbewegung gegen den Trumpismus entstehen könnte. Der Politikwissenschaftler Philipp Lepenies erörtert, ob die Demokratie in den USA in ihrem 250. Jubiläumsjahr noch gesichert ist – und wie sie in Deutschland geschützt werden kann. Der Politikwissenschaftler Sven Altenburger beleuchtet die aktuelle Debatte um die Wehrpflicht – und deren bürgerlich-demokratische Grundlagen. Der Sinologe Lucas Brang analysiert Pekings neue Friedensdiplomatie und erörtert, welche Antwort Europa darauf finden sollte. Die Journalistinnen Susanne Götze und Annika Joeres erläutern, warum die Abhängigkeit von Öl und Gas Europas Sicherheit gefährdet und wie wir ihr entkommen. Der Medienwissenschaftler Roberto Simanowski erklärt, wie wir im Umgang mit Künstlicher Intelligenz unsere Fähigkeit zum kritischen Denken bewahren können. Und die Soziologin Judith Kohlenberger plädiert für eine »Politik der Empathie« – als ein Schlüssel zur Bekämpfung autoritärer, illiberaler Tendenzen in unserer Gesellschaft.

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema

Deutschland: Planlos in den Hitzesommer

von Nick Reimer

Nur knapp schrammte Deutschland Anfang Juli an einem neuen Hitzerekord vorbei. Mit über 35 Grad in weiten Teilen des Landes war es in der ersten Hitzewelle des Jahres flächendeckend viel zu warm. Statt aber den Klimaschutz endlich ernst zu nehmen, will die schwarz-rote Bundesregierung neue fossile Gaskraftwerke mit 20 000 Megawatt Leistung bauen.

Trump zum Zweiten: Gesundheitspolitik als Kampffeld

von Andreas Wulf

Die ersten Monate der zweiten Trump-Präsidentschaft haben weltweit zu massiven „Disruptionen“ geführt – nicht nur in der Außen-, Entwicklungs-, Migrations-, und Wirtschaftspolitik, sondern auch im Feld der Gesundheitspolitik. Dies hat sowohl Auswirkungen in den USA selbst als auch in den multilateralen Organisationen, denen das Land angehört.

Die Covid-Querfront

von Naomi Klein

In „Der Mythos Schönheit“ behauptete Naomi Wolf im Jahr 1990, die gestiegenen Erwartungen an die weibliche Schönheit in den 1980er Jahren seien der Tribut gewesen, den das Patriarchat für die Erfolge des Feminismus gefordert habe. Zu den beruflichen Anforderungen und den Pflichten von Hausarbeit und Kinderbetreuung trat jetzt „eine dritte Arbeitsschicht nach Feierabend“ hinzu.