Ausgabe März 2021

Die Arbeitssklaven des FC Bayern

Arbeiter vor dem Khalifa International Stadion in Katar (IMAGO / Sven Simon)

Bild: Arbeiter vor dem Khalifa International Stadion in Katar (IMAGO / Sven Simon)

Eine Erniedrigung sondergleichen musste Anfang Februar der ruhmreiche FC Bayern am Berliner Chaos-Flughafen BER hinnehmen. Aus heiterem Himmel wurde der Mannschaft mitgeteilt, dass das Nachtflugverbot auch für Fußballer gilt. Weil man nach einem Bundesligaspiel gegen Hertha BSC zu spät dran war, musste der gesamte Kader samt Vereinsbossen sage und schreibe sieben Stunden darauf warten, zur Club-WM nach Katar fliegen zu dürfen.

Was mutet man den Spielern da nur zu! „Ein Skandal ohne Ende“, polterte Uli Hoeneß – und der Mann kennt sich mit Skandalen nun wirklich aus. „Verarscht“ fühlte sich Karl-Heinz Rummenigge, die Verantwortlichen wüssten gar nicht, „was sie der Mannschaft angetan haben“. Fürwahr, in dieser Nacht war jeder Deutsche froh, kein leidgeplagter Bayern-Spieler zu sein.

Nun gut, die Club-WM und damit der sechste Titel in diesem bajuwarischen Super-Fußball-Jahr wurde am Ende doch noch gewonnen. Und da aus dem größten Mist bekanntlich die schönsten Blumen wachsen, hatte sogar die Berliner Malaise etwas Gutes. Da auf diese Weise auch die gloriosen Bayern eine unangekündigte Nachtschicht und endlose Überstunden erleben mussten, durften sie wenigstens einmal am eigenen Leibe erfahren, was es heißt, sich unter menschenunwürdigen Bedingungen abplagen zu müssen wie rechtlos umhergeschubste Arbeitssklaven. Ganz so wie jene auf den WM-Baustellen am anderen Ende ihrer Flugroute. Haltlose Zustände sind dort seit Jahren an der Tagesordnung. Niemand wird das ungeheuerliche Leid der Bayern-Profis daher besser nachempfinden können als das Heer der in Katar ausgebeuteten Arbeitsmigranten, von denen sich Aberhunderte buchstäblich zu Tode geschuftet haben. Wer weiß? Hätten Neuer, Müller und Co. nicht wenigstens First Class fliegen können, wären unter den unbezahlbaren Fußballprofis vielleicht auch Todesopfer zu beklagen gewesen. Die spontanen Gefühlsausbrüche der Bayern-Bosse zeigen, wie real diese Gefahr plötzlich für sie wurde. Endlich ist ihnen ein Licht aufgegangen! Nun sollte doch eigentlich selbst die Chefetage des Vereins das Problem der Sklavenarbeit nicht länger ignorieren können. Geblendet von den millionenschweren Sponsorendeals in Katar, wollte man all die Jahre davon nichts hören. Und mit kritischen Fans wie dem „Club Nr. 12“ aus der Münchner Südkurve mit seinen immerhin 4500 Mitgliedern konnte man so rein gar nichts anfangen. Sämtliche Einladungen zu den vom Fanclub organisierten Diskussionen mit Arbeitern aus Katar ließ die Vereinsspitze unbeantwortet.

Woher hätte man auch wissen sollen, dass man mit diesen armen Teufeln eigentlich in einem Boot sitzt? So aber konnte der Bayern-Vorstand in dem 2019 gestellten Antrag, die Einhaltung der Menschenrechte gemäß den UN-Leitlinien endlich in die Vereinssatzung aufzunehmen, nichts anderes als Sabotage sehen – Sabotage nämlich der lukrativen Beziehungen zu den arabischen Scheichs. Man erteilte dem Störenfried daher als erzieherische Maßnahme Stadionverbot wegen irgendeines Banners und ließ seinen Antrag selbstredend nicht zu.

Zum Glück wird die Bayern-Führung auf diesem Auge jetzt nicht mehr blind sein. Ob Katar oder BER – faire Arbeitsbedingungen sind ein Menschenrecht! Das haben der Uli und der Karl-Heinz nun aber ganz bestimmt begriffen. Dem Nachtflugverbot sei‘s gedankt!

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