Ausgabe November 2023

Irrweg Brückenstrompreis

Warum billige Energie für die Industrie der ökologischen Transformation schadet

Braunkohlekraftwerk Niederaußem, 6.9.2023 (IMAGO / Manngold)

Bild: Braunkohlekraftwerk Niederaußem, 6.9.2023 (IMAGO / Manngold)

Der Preis für Industriestrom ist als Folge von Russlands Angriff auf die Ukraine und des daraus resultierenden Boykotts von (sehr preisgünstigem) russischem Erdgas durch die meisten westlichen Industriestaaten stark angestiegen. Das gilt insbesondere in Deutschland, wo sich Bundesregierung und energieintensive Industrien in trauter Eintracht und sehenden Auges in die Abhängigkeit von russischem Gas begeben und so Putins strategischer Erdgaspolitik zu einem Erfolg verholfen haben.

Dass für dieses „Klumpenrisiko“ irgendwann ein Preis zu zahlen sein würde, hätte die Allianz aus Bundesregierung, Erdgasbranche und Schwerindustrie spätestens seit der Krim-Annexion 2014 vorhersehen müssen, zumal es viele mahnende Stimmen im In- und Ausland gab. Geschehen ist bekanntermaßen das Gegenteil: Durch Nord Stream 2 sollte die Abhängigkeit von Russland noch vergrößert werden. Das deutsche Modell, niedrige Energiepreise als Booster für hohe Exportüberschüsse des produzierenden Gewerbes zu nutzen, galt als sakrosankt.

All das ist mittlerweile (traurige und aufzuarbeitende) Geschichte.

»Blätter«-Ausgabe 11/2023

Sie haben etwa 5% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 95% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (2.00€)
Digitalausgabe kaufen (11.00€)
Druckausgabe kaufen (11.00€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe Mai 2026

In der Mai-Ausgabe zeigen Alexander Cooley und Daniel Nexon, wie die Trump-Regierung ihre geopolitische Macht systematisch in privaten Gewinn ummünzt – zum Schaden für Rechtsstaat und Demokratie. August Pradetto plädiert für eine entschiedene – auch rhetorische – Verteidigung des Völkerrechts gegenüber der wachsenden Gruppe jener Staaten, die auf die Macht des Stärkeren setzen. Klaus Naumann beleuchtet die Debatte um die Wehrpflicht und fragt, wie sich der Frieden in Europa künftig verteidigen lässt. In einer Welt, in der Heimatverlust zu einer universellen Erfahrung geworden ist, sucht Ece Temelkuran nach neuen Formen von Gemeinsamkeit und Handlungsmacht. Antje Schrupp zeigt, wie rechte Frauen mit traditionalistischen Frauenbildern den autoritären Aufstieg befördern. Sonja Peteranderl warnt vor den Risiken von Zyklus-Apps in Zeiten des Rechtsrucks. Inken Behrmann beleuchtet den auch hierzulande längst entbrannten Kampf um die immer knapper werdende Ressource Wasser. Markus Wissen sieht im radikalen Reformismus eine Strategie gegen den Krisenkapitalismus. Und Karin König erinnert an den Film »Die Mörder sind unter uns« als Schlüsselwerk der deutschen Nachkriegsgeschichte und die Biografie seines Hauptdarstellers Ernst Wilhelm Borchert. 

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema

Die Kunst der Bricolage

von Frank Adloff

Der Ausweg aus der dramatischen Doppelkrise aus fortschreitender Klimaerwärmung und schwindender Biodiversität muss ein schrittweises Handeln sein, das ökologische Modernisierung und radikalen Systemwandel gleichzeitig verfolgt.

Hochseeschutz: Hoffnung für das Lebenselixier des Planeten?

von Julia Lauter

Weit draußen vor unseren Küsten liegt eine weitgehend ignorierte Weltregion, an der das Überleben der Menschheit hängt: die Hohe See. Sie bedeckt zwei Drittel der Erdoberfläche, in ihr leben rund 80 Prozent aller Tierarten, sie reguliert das globale Klima und bindet ein Drittel des vom Menschen verursachten CO2.