Wie wir die Hitze wirksam bekämpfen können
Bild: Europas größte Grünfassade befindet sich in Düsseldorf. Die Fassade des Kö-Bogen II ist mit mehr als 30.000 Hainbuchen-Heckenpflanzen begrünt. Diese fungieren als Hitzepuffer und geben zudem Feuchtigkeit über die Blätter ab und kühlen so die Umgebungsluft durch die Verdunstung. (IMAGO / Jochen Tack)
Hitzerekorde bereits im Juni und die Aussicht auf neue in den kommenden Wochen: Die Folgen des Klimawandels sind immer deutlicher zu spüren. Doch die Politik verdrängt das Thema und nimmt massive Schäden in Kauf. Dabei könnten wir sehr viel gegen Hitze, Dürre und Fluten tun – wenn Politik und Behörden endlich handeln und nicht länger blockieren.
Große Überraschung Ende Juni 2026 in der Politik: eine Hitzewelle! Klimawandel – huch? Saarland, Sachsen-Anhalt sowie Brandenburg erlebten neue Hitzerekorde von annähernd 42 Grad. Mit fast 30 Grad folgte die wärmste Nacht seit Beginn der Wetteraufzeichnungen. Familien konnten in überhitzten Dachgeschossen nicht mehr schlafen, Krankenhäuser waren völlig überlastet, Asphalt brach auf, Haus- und Nutztiere fielen tot um, Jungvögel stürzten sich aus heißen Nestern und starben, Europa verzeichnete tausende Hitzetote. Die Weltgesundheitsorganisation warnte: »Europa ist der sich am schnellsten erwärmende Kontinent der Erde – die Erwärmung verläuft doppelt so schnell wie im globalen Durchschnitt.«1 Doch von der Bundesregierung gab es kaum eine Reaktion und schon gar keine empathische. In seinem klimatisierten Kanzleramt fand Bundeskanzler Friedrich Merz kurz darauf zwar mitfühlende Worte für das aus der Weltmeisterschaft ausgeschiedene deutsche Fußballteam, aber keine für leidende Alte, Kranke und Kinder, überlastete Sanitäter und Krankenschwestern. Gefragt, ob der Hitzeschutz Chefsache werden sollte, antwortete Regierungssprecher Stefan Kornelius, die Erklärung zur Chefsache sei »noch keine Lösung für ein Problem«.2
Tatsächlich sind für Hitzeschutzpläne im föderalen Deutschland vor allem die Kommunen zuständig. Die aber werden vom Bund seit Jahren mit immer neuen Aufgaben überhäuft, ohne dafür mehr Geld zu erhalten. Die offensichtliche Folge: Viele sind überschuldet, für Klimaschutz und Klimaanpassung fehlt das Geld. Kliniken, Schulen, Kitas und Altenheime erhalten keinen Sonnenschutz und keine Klimaanlagen oder Wärmepumpen, die im Sommer auch kühlen können, nicht einmal bei Neubauten. Zudem scheinen kommunale Entscheider das Angstthema Klimawandel gerne zu verdrängen, sobald der Sommer vorbei ist. Dabei gibt es so viele kreative Möglichkeiten, Stadt und Land zu kühlen, die endlich ergriffen werden müssen.
Entscheidende Rolle: Wasser und Vegetation
Viele glauben immer noch, die Erderwärmung und deren spürbare Folgen seien allein durch erneuerbare Energien aufzuhalten. Die Verbrennung fossiler Energien zu stoppen, ist zweifellos extrem wichtig, aber CO2-Reduktion ist nicht alles.
Tagtäglich wird Boden zerstört, um darauf Straßen, Gebäude und Industrieanlagen zu errichten. Urwälder werden abgeholzt, um Soja- oder Palmölmonokulturen anzulegen. Landschaften wurden und werden entwässert, Flüsse begradigt, Moore trockengelegt, Böden mit schweren Traktoren verdichtet und mit Chemiedünger und Pestiziden traktiert, sodass die fein abgestimmte Struktur von großen und kleinen Bodenporen kaputtgeht. Wasser wurde aus Landschaften hinausbefördert, als sei es ein Schadstoff, statt es im Boden zu halten.3 Dadurch wurde der Natur die Möglichkeit genommen, Starkregen aufzunehmen und für Zeiten der Dürre zu speichern. Eine Landschaft ohne Vegetation kann Wasser nicht mehr kontrolliert verdunsten und ihr ausgetrockneter Boden kann keines mehr speichern, sie wird zur Wüste. Sofern es überhaupt noch regnet, fließt der Niederschlag schnell ab, führt zu Überschwemmungen und landet letztlich in den Meeren. Eine Studie von 2025 zeigt, dass zwischen 2000 und 2015 weltweit große Mengen an Bodenwasser und -feuchte verloren gingen – die auch messbar zum Anstieg des Meeresspiegels beitrugen. Besonders kritisch ist, dass ausgetrocknete Böden sich nur sehr langsam regenerieren. Damit wird deutlich: Die Bodenfeuchte ist ein zentraler, bislang stark unterschätzter Faktor im globalen Wasser- und Klimasystem.4
Der europäische Kontinent trocknet langsam, aber sicher aus – wenn nicht endlich gegengesteuert wird.
So werde etwa die Hälfte der Dürren in Ostdeutschland durch schlechtes Land- und Wassermanagement verursacht, erläutert der Hydrobiologe und leitende Wasserforscher am Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung in Magdeburg, Professor Dietrich Borchardt: »Die natürliche Funktion des Landes als Wasserspeicher geht zunehmend verloren. Wir haben über die Jahrhunderte einen schleichenden Abfluss erzeugt, die Grundwasserspiegel deutlich abgesenkt, zurückzuführen vor allem auf die Bewirtschaftung der Äcker und des Grünlands.«5 Land und Kontinent trocknen langsam, aber sicher aus – wenn nicht endlich gegengesteuert wird.
Haben Sie schon mal die Erfahrung gemacht, dass es Ihnen an einem Hitzetag im Schatten eines großen Baumes viel besser erging als unter einem Sonnenschirm? Dass es unter Laub viel kühler ist als unter Stoff? Das liegt daran, dass der Sonnenschirm keine Photosynthese beherrscht.
Wenn wir uns die Erde bildlich als lebendigen Planeten vorstellen, dann sind die Flüsse ihre Adern und die Bäume ihre Schweißdrüsen. Pflanzen verbrauchen Wasser und sorgen dadurch für Verdunstungskühle, Wolken und neuen Niederschlag. Das kühlt unsere Erde in enormem Ausmaß und hält ihre großen und kleinen Wasserkreisläufe in Gang. Ein einziger großer Baum verdunstet an einem Sommertag rund 400 Liter, mit einer Kühlwirkung vergleichbar der von zehn Klimaanlagen. Zudem katapultiert er Bakterien, Pollen, Sporen und organische Verbindungen in die Luft, an die sich Wassermoleküle heften. Wasser wird zu Wolken, die abregnen und damit wiederum Erde, Böden und Vegetation lebendig halten. Diese niedrigeren Wolken reflektieren zudem auf wunderbare Weise die einfallende Sonnenstrahlung. Dabei wird Sonnenenergie teilweise direkt ins Weltall zurückgestrahlt – direkter Klimaschutz.
Renaturierte Wälder wirken als Klimaanlagen des Planeten.
Ungefähr die Hälfte des Niederschlags über den Kontinenten stammt je nach geographischer Lage vom Land selbst und nicht vom Meer. Im Grunde fällt der Regen nicht vom Himmel, sondern wird – neben den Meeren – auch im Boden erzeugt. Deshalb können wir durch Begrünung und »Beblauung« einen Teil der Erderhitzung rückgängig machen: durch Humusaufbau und durchgehende Vegetation auf Äckern und Grünland, Wiederbewaldung, Waldumbau, Wiedervernässung von Mooren und Feuchtgebieten, Entsiegelung und mehr. »Greening« und »Blueing« sind weit mehr als Klimaanpassung, sie sind direkter Klimaschutz.
Ein paar Beispiele mögen das illustrieren: Die Aufforstung in Europa seit den 1980er Jahren hat laut einer Studie von 2024 messbar zur Abkühlung beigetragen. In Mitteleuropa sanken die Temperaturen im Durchschnitt um etwa ein halbes Grad, während sie in Hitzeperioden sogar um bis zu 1,9 Grad reduziert wurden. Ursache dafür ist vor allem die erhöhte Verdunstung, die die Wolkenbildung fördert und die Hitzebelastung senkt.6 Eine Untersuchung aus dem Jahr 2024 zeigt, dass die US-Ostküste trotz Klimawandels abgekühlt ist, weil die dortigen Wälder seit den 1920er Jahren wiederaufgeforstet wurden oder auf früheren Ackerflächen nachwachsen durften. Diese Landschaft ist ein riesiger »Kühlfleck« inmitten einer ansonsten erhitzten Nation. Der Boden ist dort im Schnitt ein bis zwei Grad kühler und an Hitzetagen sogar bis zu fünf Grad.7 Renaturierte Wälder wirken also als Klimaanlagen des Planeten.
Eine Modellrechnung für den dürregefährdeten brandenburgischen Elbe-Elster-Kreis zeigt, dass mehr Bäume und Feuchtgebiete die dortige Oberflächentemperatur um bis zu 3,5 Grad senken könnten und somit die Erderhitzung lokal eingedämmt werden würde. Solche Maßnahmen sind fast überall umsetzbar8 und wurden durch die frühere Bundesumweltministerin Steffi Lemke (Grüne) mit dem »Aktionsprogramm Natürlicher Klimaschutz« (ANK) auch angestoßen. Das Programm läuft noch bis 2029. Mit einem Etat von rund vier Mrd. Euro sollen Moore, Feuchtgebiete und Auen wiedervernässt, Deiche rückverlegt, Wälder, Wiesen und Küsten renaturiert sowie »Schwammstädte« gefördert werden, die Niederschlag wie ein Schwamm aufsaugen und in Dürrezeiten kühlend abgeben. Das ist ein Meilenstein in der Klimapolitik.
Die Umsetzung des ANK verläuft indes schleppend: Ein Teil der Gelder wurde noch nicht abgerufen, etwa weil die Förderbedingungen für ärmere Kommunen unzureichend waren und sie die Eigenanteile nicht aufbringen können. Nach Auskunft des inzwischen SPD-geführten Bundesumweltministeriums wurden bis Anfang 2026 insgesamt knapp 13 000 Vorhaben bewilligt, der Großteil davon im Bereich »klimaangepasstes Wald-Management«. 156 Projekte sollen Moore schützen und wieder aufbauen, 97 Maßnahmen den Wasserrückhalt fördern. Lediglich drei Projekte gab es zur Entwicklung von »Schwammstädten« und nur eines zu einer Deichrückverlegung. Es ist zudem völlig unklar, wie es nach 2029 weitergeht – die fehlende Verstetigung der Arbeit durch festangestellte lokale »Kümmerer« ist eines der größten strukturellen Probleme des Programms.
Hitzeschutz durch Vegetation und Schwammstädte
Die Wiedervernässung von Mooren, der Waldumbau und die Renaturierung von Seen und Auen sind laut einer Evaluation des ANK-Programms besonders klimawirksam. Sie kühlen ganze Landschaften durch Verdunstung und haben weitere positive Nebeneffekte wie Artenschutz und CO2-Speicherung.
In Städten gehören Grünflächen mit Bäumen einer Studie der ETH Zürich zufolge zu den effizientesten Kühlmethoden.9 Allerdings sind laut Deutscher Umwelthilfe hierzulande seit 2018 fast eine Million Stadtbäume mitsamt Kühlwirkung verloren gegangen – vor allem durch willentliche Abholzung. Auch wenn für jeden Baum ein neuer gepflanzt würde, dauert es Jahrzehnte, bis dieser die Funktion des alten übernehmen kann, wenn er denn mangels ausreichender Pflege und unzureichender Wässerung in Hitzesommern überhaupt überlebt. Das Credo heute müsste also allüberall sein: Lasst gesunde, große Bäume stehen! Laut einer Lancet-Studie sind Großstädte in der EU im Schnitt zu 15 Prozent mit Baumkronen überdeckt. Würde sich dieser Bestand verdoppeln, könnte die Zahl der vorzeitigen Hitzetode um 40 Prozent sinken.10
Die Stadtklima-Forschung zeigt ganz deutlich, wie man das Mikroklima im Sommer erstaunlich stark abkühlen kann. Dabei helfen: Entsiegelungen, Frischluftschneisen, Parks, Alleen, Miniwälder, Stadtbäume, urbane Gärten, Grünfassaden, Pergolen, Laubengänge, Gründächer, Mooswände, Wasserbrunnen, renaturierte Flüsse, Teiche und Tümpel. Das neue Leitbild hierfür lautet: Schwammstädte. Es geht auf den chinesischen Architekten Yu Kongjian zurück, der das Konzept bereits Ende der 1990er Jahre ersann und seit 2012 auf die überschwemmungsgeplagte Metropole Wuhan übertrug. Kopenhagen übernahm das Konzept und legte nach der Flutkatastrophe im Jahr 2011 riesige Areale an, die Regen speichern und Überschwemmungen verhindern. Das »Klimakvater« (Klimaquartier) des Stadtteils Østerbro etwa ist mit seinen Gründächern und »Regengärten« klimaresilient. »Regengärten« sind bepflanzte Versickerungsflächen als Teil einer Schwammstadt. Darin kann bis zu einem Drittel mehr Wasser als in einem Rasen versickern. Regengärten filtern zudem die Luft, bieten Nahrung und Niststätten für Vögel, Insekten und Kleinsäuger und wässern die Vegetation.11
Gründächer gehören ebenfalls zum Konzept Schwammstadt: Sie können bis zu 80 Prozent der Niederschläge speichern und mittels Verdunstung langsam wieder abgeben. Eine Erd- und Pflanzschicht auf einem zuvor stabilisierten Dach speichert Wasser und schützt zugleich Innenräume vor extremen Außentemperaturen: Bei großer Hitze wirken die Gründächer kühlend, im Winter isolierend und wärmend, was Heizkosten spart.
Entsiegelung ist ebenfalls extrem wichtig, weil Asphalt und Beton in dichtbesiedelten Städten Hitze abstrahlen wie Backöfen. In der Praxis aber werden bundesweit weiterhin täglich 51 Hektar für neue Straßen und Gebäude zubetoniert. Zudem geht das kürzlich vom Bundestag verabschiedete »Infrastruktur-Zukunftsgesetz« in die verkehrte Richtung: Es schützt eher Autobahnen als Auen. Dabei ginge es auch anders: In den Niederlanden etwa hat sich die Bewegung »Tegelwippen« gebildet, zu Deutsch »abpflastern«: Über 200 städtische Initiativen wetteifern miteinander, wer am schnellsten und den meisten Boden von der Versiegelung befreit.12
Das jüngst vom Bundestag verabschiedete ›Infrastruktur-Zukunftsgesetz‹ geht in die verkehrte Richtung: Es schützt eher Autobahnen als Auen.
Auf zivilgesellschaftlichen Druck hin haben auch Berlin, Hamburg und andere Metropolen begonnen, sich in »Schwammstädte« zu verwandeln. Um einen Volks- bzw. »Baumentscheid« zu vermeiden, beschloss das Berliner Abgeordnetenhaus Ende 2025 das »BäumePlus-Gesetz«: Bis 2040 sollen eine Million Straßenbäume gepflanzt, tausend Miniparks angelegt und jeder gefällte Baum durch drei neue ersetzt werden. Die »Baumentscheid«-Bewegung kritisiert allerdings die mangelnde behördliche Unterstützung und die unklare finanzielle Ausgestaltung für die Pflege. In der Carl-Legien-Siedlung ging das Bezirksamt beispielsweise gegen eine Anwohnerinitiative vor, die aus Hitzeschutz zwei Bäume vor die Fassade gepflanzt hatte.
In Hamburg baut der städtische Betrieb Hamburg Wasser nach eigenen Angaben riesige Abwasser-Autobahnen und Speicher unter der Stadt, die Regenmassen zurückhalten, wenn sie die Klärwerke und das Kanalnetz überfordern. 2025 rief die Umweltbehörde zum Wettbewerb »Abpflastern: von Grau zu Grün« nach niederländischem Vorbild auf. Die Beteiligung der Bevölkerung war mit über 2200 Ideen sehr rege, aber umgesetzt wurden bisher nur ein Dutzend.13 In Zweifel agieren deutsche Behörden immer noch mit Bürokratie- und Kontrollwahn, statt einer aktiven Bürgerschaft zu vertrauen – was Kosten und gesellschaftliche Wut senken würde.
Regenerative Landwirtschaft und helfende Tiere
Schließlich spielt auch eine regenerative Landwirtschaft eine Schlüsselrolle bei der Klimastabilisierung. Sie baut Boden auf, wandelt dabei CO2 in Kohlenstoff um, bindet diesen und speichert massenhaft Wasser. Dazu arbeitet sie mit Pflugverzicht, Zwischenfrüchten, Agroforst, Hecken und Blühstreifen, Zugaben von Kompost und Pflanzenkohle. All das lässt die Artenvielfalt sowie gesunde Lebensmittel gedeihen, eine Win-win-Situation. Zahlreiche Höfe praktizieren sie bereits.
Andere beteiligen sich an regenerativen Maßnahmen im Rahmen von aufzubauenden »Klimalandschaften« und »Schwammregionen«. Das wahrscheinlich ehrgeizigste Projekt hierfür ist das »Regenerate« am Bodensee. Diese deutsch-schweizerisch-österreichische Grenzregion ist vor allem durch konventionellen Obst- und Weinbau geprägt. »Regenerate« will daran mitwirken, diese zu einer Klimalandschaft umzugestalten – gemeinsam mit Landwirt:innen, Gemeinden, Gastronomie, Einzelhandel, Forschenden und regionalen Netzwerken. Das wachsende Team, finanziert durch Spenden von Privatpersonen und Stiftungen, konnte mittlerweile über 300 Landwirt:innen mit hunderten Hektar Land in der Region erreichen. Ziel ist es, lebendige Kreisläufe, fruchtbare Böden, vielfältige und damit auch resiliente Höfe zu schaffen. Jede Bäuerin und jeder Gärtner wird auf dem Weg mit Beratung und weiterführenden Fortbildungen begleitet und unterstützt.
Auch Moore, Feuchtgebiete und Flussauen sind in den vergangenen Jahrzehnten überall zerstört, überbaut oder drastisch reduziert worden, dabei sind sie unerlässlich für die Stabilisierung von Wasserhaushalt und Klima. Volker Zahner, Wildtierökologe an der Uni Weihenstephan, ist davon überzeugt, dass Biber für den Wasserkreislauf Großes leisten könnten. In einer Modellrechnung für die Region Isar kam eines seiner Projekte zu dem Schluss, dass die Wasserflächen im Bibergebiet um fast die Hälfte gestiegen seien, sich der Grundwasserspiegel um einen halben Meter erhöht und auch die Verdunstung stark zugenommen habe.14
In Dürrezeiten spielen die Biber zusätzlich Freiwillige Feuerwehr, Abteilung Brandprävention. Biberburgen können sogar als Feuerbrecher in Megafeuern dienen: Ein umfangreicher Biberbau enthält laut einer US-Studie im Schnitt über vier Mio. Liter Wasser und speichert weitere 25 Millionen im Untergrund.15 Wären die deutschen Lande nicht großflächig entbibert worden, hätte es viele Waldbrände vielleicht gar nicht erst gegeben. In Deutschland wurden die Nager fast ausgerottet, doch inzwischen leben wieder an die 40 000 von ihnen vor allem in Bayern sowie an der Elbe und ihren Zuflüssen. Wofür das gut ist, zeigt Tschechien: Während im Landschaftsschutzgebiet Brdy Behörden und Naturschützer:innen viele Jahre lang eine teure Renaturierung eines Bachlaufs planten, schufen Biber Fakten: In Rekordzeit errichtete eine einzige Biberfamilie einen Staudamm, der 1,2 Mio. Euro gekostet hätte. »In der Zeit haben wir nicht mal eine Baugenehmigung bekommen«, lacht der Leiter des örtlichen Schutzgebietes.16
All diese Beispiele zeigen: Die Natur hilft uns, wenn wir ihr helfen.
1 Tedros Adhanom Ghebreyesus, x.com, 28.6.2026.
2 Im Wortlaut. Regierungspressekonferenz vom 29. Juni 2026, bundesregierung.de.
3 Vgl. dazu u.a.: Inken Behrmann, Knapp und kommerzialisiert: Der Kampf ums Wasser, in: »Blätter«, 5/2026, S. 101–106; Tanja Busse und Christiane Grefe, Der Grund allen Wohlstands. Warum die Bodenpolitik völlig neu gedacht werden muss, in: »Blätter«, 3/2024, S. 105–112; Nick Reimer, Vertieft, vertrocknet, vergiftet: Das Elend unserer Flüsse, in: »Blätter«, 11/2022, S. 25–28 sowie ders. und Toralf Staud, Abgesoffen und ausgedörrt. Wie Wasser in Deutschland zum umkämpften Gut wird, in: »Blätter«, 7/2021, S. 69–76.
4 Ki-Weon Seo et al., Abrupt sea level rise and Earth’s gradual pole shift reveal permanent hydrological regime changes in the 21st century, in: »Science«, 6741/2025, S. 1408–1413.
5 Zit. nach: Ute Scheub und Stefan Schwarzer, Aufbäumen gegen Dürre und Fluten, München 2026, S. 48.
6 Marcus Breil, Vanessa K. M. Schneider und Joaquim G. Pinto, The effect of forest cover changes on the regional climate conditions in Europe during the period 1986–2015, in : »Biogeosciences«, 3/2024, S. 811–824.
7 Mallory L. Barnes et al., A Century of Reforestation Reduced Anthropogenic Warming in the Eastern United States, in: »Earth‹s Future«, 2/2024.
8 Beate Zimmermann et al., Assessing the cooling potential of climate change adaptation measures in rural areas, in: »Journal of Environmental Management«, August 2024.
9 Chen Ly, Trees cool the land surface temperature of cities by up to 12°C, newscientiest.com, 23.11.2021.
10 Tamara Iungman et al., Cooling cities through urban green infrastructure: a health impact assessment of European cities. In: »The Lancet«, 10376/2023, S. 577–589.
11 Vgl. Julia Wäschenbach, Die »Schwammstadt Kopenhagen«, tagesschau.de, 13.2.2024 sowie: »Multifunktionale Designs schaffen Synergien und sparen Kosten«, regenwasseragentur.berlin, 17.6.2026.
12 Tobias Müller, Wip Nederland Wip!, taz.de, 27.11.2025.
13 Vgl. Ilka Kreutzträger, Abpflastern kommt nicht in die Gänge, taz.de, 2.7.2026.
14 Volker Zahner, Biberdämme und ihre Wirkung, in: »Anliegen Natur«, 2/2018, S. 107–110.
15 Erica Gies, Water Always Wins. Thriving in an Age of Drought and Deluge, London 2022, S. 118 f., Angaben in Gallone, Umrechnung in Liter durch das Autorenteam.
16 Marianne Allweis, Biber statt Bagger, tagesschau.de, 7.2.2025.