Ausgabe März 2024

Kämpfen müssen

Joann Sfar, Die Synagoge, Cover: avant Verlag

Bild: Joann Sfar, Die Synagoge, Cover: avant Verlag

Sprachliche Aggression und körperliche Angriffe, beten und lernen unter Polizeischutz. Das ist für viele europäische Jüdinnen und Juden nicht erst, aber besonders seit dem 7. Oktober 2023 alltägliche Realität. Damit steht eine Frage im Raum, die für nicht-jüdische Europäer zutiefst beschämend ist – oder zumindest sein sollte: Können Jüdinnen und Juden in Europa heute noch sicher leben? Offensichtlich nicht. Doch so massiv, wie sich der Antisemitismus in all seinen Ausdrucksformen derzeit Bahn bricht, muss noch eine andere Frage gestellt werden: Konnten sie es je?

Dem geht Joann Sfar in seinem neuen, noch vor dem 7. Oktober verfassten Band „Die Synagoge“ nach. Sfar ist einer der bekanntesten Comiczeichner Frankreichs, und da diese grafische Kunst westlich des Rheins hohes Ansehen genießt, macht ihn das auch zu einem der prominentesten jüdischen Künstler des Landes. Gefeiert wird er nicht nur in Frankreich für seine Serie „Die Katze des Rabbiners“, die mit schrägem Humor, dabei aber sehr warmherzig, von jüdischem Leben im Maghreb zu Beginn des 20. Jahrhunderts erzählt.

Sfars neuer Band ist autobiografisch gehalten und umkreist in Episoden, Rückblenden und Exkursen sein Aufwachsen in Nizza in den 1980er Jahren. Südfrankreich war damals – und ist bis heute – eine Hochburg der extremen Rechten, teils in ungebrochener Tradition zum Vichy-Frankreich der Nazikollaborateure.

»Blätter«-Ausgabe 3/2024

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In der März-Ausgabe spannt sich der Bogen von der Antike bis zur Gegenwartskrise: Markus Linden zeigt, wie die Neue Rechte Platon und Cicero für ihre antiliberale Propaganda vereinnahmt. Maike Albath beleuchtet, wie Giorgia Meloni der italienischen Rechten ein vermeintlich harmloses, mütterliches Image verleiht. Antje Schrupp bilanziert die Politik der Gleichstellung und fragt, wie weibliche Freiheit in einem postpatriarchalen Zeitalter neu gedacht werden kann. Zum Holocaust-Gedenktag fordert die Auschwitz-Überlebende Tova Friedman in einem eindringlichen Appell entschlossenes Handeln gegen den wieder aufblühenden Antisemitismus. Eva Illouz diskutiert mit Dieter Thomä, wie im Schatten des Gazakrieges die Voraussetzungen für eine friedliche Zukunft in Nahost geschaffen werden könnten. Wolfgang Zellner analysiert, wie Europa angesichts des drohenden Zerfalls der Nato seine Souveränität bewahren kann. Robert Misik plädiert für einen radikalen Linksliberalismus als Antwort auf den rechten Autoritarismus. Und während Jochen Ahlswede 15 Jahre nach Fukushima vor einer Entmachtung der Atomsicherheitsbehörden warnt, fragt Frank Adloff, wie sich eine ökologische Zukunft trotz multipler Krisen offenhalten lässt.

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