Ausgabe September 2024

Ein Neuanfang für Bangladesch

Studierende der Uni Dhaka in Bangladesch protestieren: Sie fordern ein Gerichtsverfahren gegen die gestürzte Premierministerin Sheikh Hasina, 12.8.2024 (IMAGO / Middle East Images / Abu Sufian Jewel)

Bild: Studierende der Uni Dhaka in Bangladesch protestieren: Sie fordern ein Gerichtsverfahren gegen die gestürzte Premierministerin Sheikh Hasina, 12.8.2024 (IMAGO / Middle East Images / Abu Sufian Jewel)

Bangladesch, ein Land mit mehr als 170 Millionen Einwohnern, hat vor kurzem einen der dramatischsten politischen Umbrüche seiner jüngeren Geschichte erlebt. Am 5. August trat die autoritär regierende Premierministerin Sheikh Hasina nach über 15 Jahren an der Macht zurück. Nun steht das südasiatische Land vor einem schwierigen Neubeginn, um die beschädigte Demokratie zu erneuern.

Denn vorausgegangen war diesem Umbruch ein Monat der Gewalt: Mehr als 500 Menschen starben bei Protesten, Ausgangssperren wurden verhängt und Menschen entführt. Entzündet hatten sich die Unruhen an einer umstrittenen Quote für den öffentlichen Dienst. Sie war erst 2018 nach Protesten abgeschafft worden, wurde aber im Juni wieder in Kraft gesetzt. Sie hätte bei Stellenbesetzungen im öffentlichen Dienst Nachkommen von Per­sonen begünstigt, die 1971 mithalfen, die Unabhängigkeit des Landes von Pakistan zu erreichen, und der bisher regierenden Awami-Liga (AL) von Ha­si­na nahestehen.

Dagegen formierte sich eine von Studierenden angeführte Anti-Quoten-Bewegung, aus der sich ein starker landesweiter Protest entwickelte. Trotz Verboten versammelten sich immer mehr Menschen, viele trugen die Nationalflagge. „Die Unzufriedenheit musste früher oder später wie ein Vulkan ausbrechen.

»Blätter«-Ausgabe 9/2024

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In der Februar-Ausgabe analysiert Ferdinand Muggenthaler die Folgen des US-Militärschlags in Venezuela für Lateinamerika – und erläutert, an welche Grenzen Trumps imperiale Ambitionen auf dem Subkontinent stoßen könnten. Nach vier Jahren russischer Vollinvasion und einem Jahr Trump ist die Ukraine zu einem zentralen Schauplatz im Ringen um eine imperiale globale Ordnung avanciert, argumentiert Steffen Vogel. Ulrich Menzel beschreibt die Konturen des heranbrechenden neuen imperialistischen Zeitalters, in dem das »Trio infernale« – USA, Russland und China – miteinander um die globale Vorherrschaft ringt. Seyla Benhabib beleuchtet unter Rückgriff auf das Denken Hannah Arendts die dramatischen Herausforderungen der Demokratie im planetarischen Zeitalter. Sonja Peteranderl zeigt auf, wie sich deutsche Behörden aus ihrer Abhängigkeit von Trump-hörigen Tech-Konzernen lösen können. Dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk hierzulande nicht nur innenpolitisch unter Druck steht, sondern auch ausländische Regierungen politisch Einfluss auszuüben versuchen, zeigt Wolfgang Kraushaar am Beispiel der Kontroverse um die ARD-Israel-Korrespondentin Sophie von der Tann. Und Georg Diez plädiert angesichts der wachsenden Stimmenanteile der AfD für die Abkehr von Parteidisziplin und den Umbau der Demokratie hin zu einer zielorientierten Zwei-Drittel-Republik.

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