Ausgabe April 2026

Resilienz als Machtfrage: Angriff auf die Infrastruktur

Hochspannungsleitungen in Bayern (IMAGO / Bihlmayerfotografie)

Bild: Hochspannungsleitungen in Bayern (IMAGO / Bihlmayerfotografie)

Wenn im Winter Umspannwerke brennen, Kraftwerksblöcke ausfallen und Hochspannungsleitungen zerfetzt am Boden liegen, richtet sich die Gewalt nicht bloß gegen technische Anlagen. Vielmehr trifft sie Wohnungen, Pflegeheime, Operationssäle, Schulen – kurz: die elementaren Voraussetzungen zivilen Lebens.1 Die russischen Angriffe auf die ukrainische Energieinfrastruktur haben damit in aller Deutlichkeit vor Augen geführt, was in hoch entwickelten Gesellschaften häufig unsichtbar bleibt: Energie ist nicht bloß ein ökonomischer Produktionsfaktor. Sie ist die infrastrukturelle Grundlage moderner Existenz. Ohne Strom funktionieren weder Krankenhäuser noch Kommunikationsnetze, weder Verkehrssteuerung noch Wasserversorgung. 

Die Zerstörung von Energieinfrastruktur trifft daher nicht allein technische Systeme. Sie trifft das gesellschaftliche Leben selbst. Zeitweise waren 1,2 Millionen Haushalte in der Ukraine nach massiven russischen Angriffen ohne Stromversorgung.2 In stark elektrifizierten Gesellschaften bedeutet ein längerer Stromausfall nicht lediglich Unannehmlichkeiten, sondern eine fundamentale Störung der sozialen Ordnung. Genau darin liegt die strategische Wirkung solcher Angriffe. 

Der Krieg wirkt hier wie ein Brennglas. Er macht sichtbar, wie stark moderne Gesellschaften von komplexen technischen Systemen abhängen und wie verwundbar diese Systeme zugleich sind.

»Blätter«-Ausgabe 4/2026

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Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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