Ausgabe März 1990

Mehr Umweltschutz reicht nicht

Umrisse eines sozialökologischen Umbaukonzepts für die Bundesrepublik

I

Auf ihrem Berliner Bundesparteitag nahm die SPD wichtige programmatische Kurskorrekturen vor, deren Tragweite angesichts der beherrschenden Debatte deutschlandpolitischer Themen noch kaum erkannt ist. Das neue Parteiprogramm nimmt endgültig Abschied von mechanistischen Entwicklungs-(Transformations-)strategien, die lange Zeit für die Arbeiterbewegung in unterschiedlichen Varianten prägend waren und auch noch sind. Die Beschlüsse von Berlin haben mittel- und langfristige Bedeutung, weil es zumindest in Westeuropa ein unübersehbares Vakuum an reformpolitischen Strategien zum Umbau der Gesellschaft gibt und in Osteuropa erst seit kurzer Zeit eine Politik der Umgestaltung gesucht wird, was unter dem Druck innerer und äußerer Faktoren (Wirtschaftskrise, Nationalitätenproblem, politische Machtverschiebungen) dem Durchschlagen des gordischen Knotens gleichkommt. - Die westlichen Industriestaaten stehen unter einer verschärften Weltmarktkonkurrenz mit dem Bestreben der einzelnen Industrieregionen und Kapitalgruppen, eine technisch-ökonomische Dominanz zu verwirklichen. Diese Modernisierung kapitalistischer Produktionskonzepte wird "abgesichert" von ökologischen Alibikonzepten. - In Osteuropa bricht seit Anfang der 80er Jahre ein machtstrategisches, zentralistisches Modell sozialistischer Politik zusammen, das Ökonomie und Gesellschaft wie eine zentral zu lenkende Maschine verstanden hat.

März 1990

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In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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