Ausgabe Oktober 1990

Gnade der anderen Geburt?

Ein Brief an Irene Runge

Ein Brief an Irene Runge

Von Michael Benjamin In der August-Ausgabe der "Blätter" veröffentlichten wir den Beitrag der Ostberliner Publizistin und Mitherausgeberin unserer Zeitschrift Irene Runge über "Die Grauzone des Wartens: Zur jüdischen Selbstfindung auf deutschem Boden". Der Beitrag hat Resonanz gefunden. Irene Runge stellte uns die folgende Zuschrift zur Verfügung, die sie von Michael Benjamin erhielt. Der Autor, Sohn der DDR-Justizministerin Hilde Benjamin und Neffe des Philosophen und Essayisten Walter Benjamin, ist Professor für Staatsrecht und lehrt z.Z. in Moskau. Sein Beitrag formuliert zwei Thesen: Judentum sei Privatsache zum einen, und die unentrinnbare Doppelexistenz, Jude und Deutscher zu sein. D. Red. Liebe Irene Runge, das Thema "Selbstverständnis der Juden in der DDR" ist mit einem Essay gewiß noch nicht erledigt - auch wenn es nun fast schon ein historisches Thema geworden ist. Deshalb möchte ich dazu auch einige sehr persönliche und unwissenschaftliche Bemerkungen loswerden. Mir scheint, daß man, wenn man über dieses Thema reflektiert, die unterschiedliche Situation der überlebenden deutschen Juden berücksichtigen müßte.

Oktober 1990

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In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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