Ausgabe Oktober 1990

Gnade der anderen Geburt?

Ein Brief an Irene Runge

Ein Brief an Irene Runge

Von Michael Benjamin In der August-Ausgabe der "Blätter" veröffentlichten wir den Beitrag der Ostberliner Publizistin und Mitherausgeberin unserer Zeitschrift Irene Runge über "Die Grauzone des Wartens: Zur jüdischen Selbstfindung auf deutschem Boden". Der Beitrag hat Resonanz gefunden. Irene Runge stellte uns die folgende Zuschrift zur Verfügung, die sie von Michael Benjamin erhielt. Der Autor, Sohn der DDR-Justizministerin Hilde Benjamin und Neffe des Philosophen und Essayisten Walter Benjamin, ist Professor für Staatsrecht und lehrt z.Z. in Moskau. Sein Beitrag formuliert zwei Thesen: Judentum sei Privatsache zum einen, und die unentrinnbare Doppelexistenz, Jude und Deutscher zu sein. D. Red. Liebe Irene Runge, das Thema "Selbstverständnis der Juden in der DDR" ist mit einem Essay gewiß noch nicht erledigt - auch wenn es nun fast schon ein historisches Thema geworden ist. Deshalb möchte ich dazu auch einige sehr persönliche und unwissenschaftliche Bemerkungen loswerden. Mir scheint, daß man, wenn man über dieses Thema reflektiert, die unterschiedliche Situation der überlebenden deutschen Juden berücksichtigen müßte.

Oktober 1990

Sie haben etwa 8% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 92% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1€)
Digitalausgabe kaufen (10€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe Februar 2026

In der Februar-Ausgabe analysiert Ferdinand Muggenthaler die Folgen des US-Militärschlags in Venezuela für Lateinamerika – und erläutert, an welche Grenzen Trumps imperiale Ambitionen auf dem Subkontinent stoßen könnten. Nach vier Jahren russischer Vollinvasion und einem Jahr Trump ist die Ukraine zu einem zentralen Schauplatz im Ringen um eine imperiale globale Ordnung avanciert, argumentiert Steffen Vogel. Ulrich Menzel beschreibt die Konturen des heranbrechenden neuen imperialistischen Zeitalters, in dem das »Trio infernale« – USA, Russland und China – miteinander um die globale Vorherrschaft ringt. Seyla Benhabib beleuchtet unter Rückgriff auf das Denken Hannah Arendts die dramatischen Herausforderungen der Demokratie im planetarischen Zeitalter. Sonja Peteranderl zeigt auf, wie sich deutsche Behörden aus ihrer Abhängigkeit von Trump-hörigen Tech-Konzernen lösen können. Dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk hierzulande nicht nur innenpolitisch unter Druck steht, sondern auch ausländische Regierungen politisch Einfluss auszuüben versuchen, zeigt Wolfgang Kraushaar am Beispiel der Kontroverse um die ARD-Israel-Korrespondentin Sophie von der Tann. Und Georg Diez plädiert angesichts der wachsenden Stimmenanteile der AfD für die Abkehr von Parteidisziplin und den Umbau der Demokratie hin zu einer zielorientierten Zwei-Drittel-Republik.

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema Ostdeutschland

Rechte Gewalt, leere Kassen: Ostdeutsche Zivilgesellschaft unter Druck

von Elisa Pfleger

In der Bundespolitik ist das Entsetzen über den Erfolg der AfD bei der Bundestagswahl noch immer groß. In allen ostdeutschen Flächenländern und in 43 von 48 Wahlkreisen wurde die in weiten Teilen rechtsextreme Partei stärkste Kraft, in Görlitz und im Kreis Sächsische-Schweiz-Osterzgebirge erhielt sie beinahe 50 Prozent der Stimmen.