Ausgabe Juli 1991

Südkorea: Das beschädigte Modell

Am 26. April prügelten Sondereinheiten der Polizei, die speziell zur Bekämpfung von "Aufrührern" ausgebildeten Paegoldan, den 20jährigen Studenten Kang Kyung Dae zu Tode. Dies Ereignis gilt allgemein als Auslöser der wochenlangen landesweiten Unruhen. Hinter den Demonstrationen gegen Präsident Roh stehen weit mehr als Trauer um den Tod Kangs und öffentliche Empörung über das "exzessive Vorgehen der Polizei" ("Korea Herald"). Roh, ein Zögling und langjähriger Vertrauter seines Vorgängers (und mittlerweile geächteten Diktators) Chun Doo Hwan, ist in eine tiefe (Legitimations-)Krise geschlittert, die möglicherweise den Anfang seines Endes markiert.

Freie Marktwirtschaft auf Kommando?

Ob Südkorea den Entwicklungstheoretikern unterschiedlicher Couleur als beispielhaft oder als Ausnahmefall erscheint - es bleibt ein Paradox: Vormals realsozialistsche Ökonomien hätten hier zünftige Lehrmeister gefunden und Marktwirtschaftler den freien Fall ihrer Lehren und Ideologien erlebt.

Tatsächlich hat Südkorea seit der Verkündung seines 1. Fünfjahresplans zu Beginn der 60er Jahre eine beispiellose Entwicklung durchlaufen, die den vormals extrem rückständigen Agrarstaat in eines der führenden Industrieländer verwandelte.

Juli 1991

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In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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