Ausgabe November 1992

Kirche und Staat in einer säkularisierten Gesellschaft

Das Thema "Religion und Politik" wird heute lebhaft und kontrovers diskutiert. Einerseits heißt es: Der Einfluß der Kirchen - und an sie denkt man bei uns zuerst, wenn von "Religion" die Rede ist - schwindet. Die Zahl der Gottesdienstbesucher ging in den letzten Jahren zurück, und die Kirchenaustritte nahmen drastisch zu. Der Abgang "realsozialistischer" Regimes, zu dem christliche Gruppen mithalfen, führte keineswegs zu einer massenhaften Rückkehr zu den Kirchen. Die Presse bringt sensationelle Statistiken, die auf die Entfremdung vieler junger Menschen auch in Westdeutschland von den traditionellen Konfessionen hinweisen - bei gleichzeitig wachsendem Sekteneinfluß. Die anfängliche große Sympathie der Medien für die evangelischen Kirchen in der Ex-DDR als Geburtshelfer der "Revolution" wurde durch Entlarvungskampagnen abgelöst, in denen man leitende Kirchenvertreter der Kumpanei mit den damaligen Machthabern bezichtigte. Überhaupt wurde die Rolle der Kirche als Anwältin sittlicher Werte in Frage gestellt, insbesondere der Anspruch der römisch-katholischen Kirche auf maßgebliche Auslegung des "Naturrechts" (z.B. im Streit um den 218), so daß hohe kirchliche Würdenträger bereits die Anzeichen eines beginnenden Kulturkampfes zu erkennen glaubten.

Andererseits stellt man Signale für gegenläufige Tendenzen fest.

November 1992

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Aktuelle Ausgabe Februar 2026

In der Februar-Ausgabe analysiert Ferdinand Muggenthaler die Folgen des US-Militärschlags in Venezuela für Lateinamerika – und erläutert, an welche Grenzen Trumps imperiale Ambitionen auf dem Subkontinent stoßen könnten. Nach vier Jahren russischer Vollinvasion und einem Jahr Trump ist die Ukraine zu einem zentralen Schauplatz im Ringen um eine imperiale globale Ordnung avanciert, argumentiert Steffen Vogel. Ulrich Menzel beschreibt die Konturen des heranbrechenden neuen imperialistischen Zeitalters, in dem das »Trio infernale« – USA, Russland und China – miteinander um die globale Vorherrschaft ringt. Seyla Benhabib beleuchtet unter Rückgriff auf das Denken Hannah Arendts die dramatischen Herausforderungen der Demokratie im planetarischen Zeitalter. Sonja Peteranderl zeigt auf, wie sich deutsche Behörden aus ihrer Abhängigkeit von Trump-hörigen Tech-Konzernen lösen können. Dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk hierzulande nicht nur innenpolitisch unter Druck steht, sondern auch ausländische Regierungen politisch Einfluss auszuüben versuchen, zeigt Wolfgang Kraushaar am Beispiel der Kontroverse um die ARD-Israel-Korrespondentin Sophie von der Tann. Und Georg Diez plädiert angesichts der wachsenden Stimmenanteile der AfD für die Abkehr von Parteidisziplin und den Umbau der Demokratie hin zu einer zielorientierten Zwei-Drittel-Republik.

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