Ausgabe Januar 1993

Absturz West statt Aufschwung Ost?

Zur Dimension der kommenden Krise

Die von den Spitzenunternehmen der deutschen Wirtschaft herausgegebenen Verlustlisten werden fast täglich länger: Belegschaftsabbau ist Trumpf. Die Automobilindustrie, die Großchemie, die Elektroindustrie - kaum ein großes Unternehmen, das nicht eine gerade ablaufende oder für die nahe Zukunft geplante drastische Reduzierung des Personals meldet: Daimler 20000, Siemens 30000, Hoechst 12000, Lufthansa 7500... Die Liste ist beliebig verlängerbar. Die Zahl der Erwerbstätigen soll der jüngsten Prognose des Sachverständigenrats zufolge im kommenden Jahr erstmals seit Mitte der 80er Jahre auch im Westen wieder sinken, die Arbeitslosenzahlen nehmen zu und werden 1993 in den alten Bundesländern die Grenze von zwei Millionen wieder deutlich überschreiten.

Während die Wirtschaft im Osten nur dank massiver Westtransfers nicht noch mehr absackt und der schon seit zwei Jahren angekündigte "Aufschwung Ost" weiter ausbleibt, macht sich nun auch im Westen eine düstere Stimmung breit. Der vom Ifo-Institut für Wirtschaftsforschung auf der Grundlage von Unternehmensbefragungen monatlich ermittelte Geschäftsklima-Index stürzte in den letzten Monaten regelrecht ab - im Oktober 1992 war der Vorjahresstand um mehr als 15 Prozentpunkte unterschritten. Produktion und Auftragseingänge in der Industrie gehen von Monat zu Monat zurück, die Zahl der Unternehmenspleiten steigt an.

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In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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