Ausgabe Februar 1993

Jugoslawien: Der große Umweg

Irgendwann - hoffentlich noch 1993 wird der Krieg auf dem Balkan durch eine politische Lösung zu Ende gehen, und er wird keines der Probleme dieser Region gelöst haben. Im Gegenteil, es sind neue hinzugetreten: die der zerstörten Häuser, Dörfer und Städte, der vernichteten Infrastruktur, der am Boden liegenden Wirtschaft, der zusammengebrochenen internationalen Verflechtungen, vor allem aber, die der Nachwirkungen unaussprechlichen Leides von Millionen von Menschen in allen Teilen des alten Jugoslawiens. Warum? Die Frage suggeriert, daß Politik eine rationale Sache sei, die von Vernunft regiert wird. Das Beispiel beweist das Gegenteil. Dieser Krieg, ob man ihn nun Sezessions-, Aggressions-, Bürger-, Religions-, oder sonstwie -krieg nennt, ist gegen die Erwartung nicht nur der politisch Verantwortlichen und unmittelbar Beteiligten, sondern auch fast aller Beobachter aus sich selbst entstanden und hat sich aus sich selbst genährt.

Allerdings ist er, überwiegend in der Absicht ihn einzudämmen, auch von außen gefüttert worden. Und so manche internationale Aktivität hatte weniger den Krieg im Visier, sondern war auf eigene Bedürfnisse und Interessen gerichtet. Erinnern wir uns. Im Jahr 1971 gab es einen "kroatischen Frühling". Wie 1968 beim "Prager Frühling" versuchten Kommunisten einen Kommunismus mit menschlichem Antlitz.

Februar 1993

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