Ausgabe Februar 1995

Wettlauf ohne Sieger

Politische Gestaltung im Zeitalter der Geo-Ökonomie

Edward Luttwak hat in seinem Buch mit dem bellizistischen Titel "Weltwirtschaftskrieg" 1) zu Recht darauf verwiesen, daß wir es heute nicht mehr mit der Nationalökonomie des 19. und frühen 20. Jhs., sondern mit der modernen "Geoökonomie" zu tun haben. Seitdem die Konvertibilität der Währungen selbstverständlich geworden ist und fast als eine zivilisatorische Errungenschaft von Weltbürgern (allerdings nur im reichen Teil der Welt) erlebt wird; seitdem ein internationales Finanzsystem mit seinem Netzwerk den Globus umspannt und seine Agenten viel Phantasie (auch kriminelle) aufwenden, um den Resten nationalstaatlicher Kontrolle zu entfliehen; seitdem alle Welt wenn schon nicht unbedingt dem Prinzip, so doch der Ideologie des Freihandels frönt, ist die Souveränität der Nationalstaaten in der modernen Geoökonomie des Planeten Erde geradezu verdampft.

Sie ist noch vorhanden wie ein diffuser Nebel und nicht wie der eigentliche harte Faktor in den internationalen Machtbeziehungen. Die "realistische Schule" der Theorie internationaler Beziehungen, wo als Akteure die Repräsentanten der Nationalstaaten ihr Spiel spielen, hat den Realitätsbezug verloren. Auch in der ökologischen Debatte weiß man inzwischen von den Auswirkungen der lokal und national erzeugten Umweltschäden auf die "global commons".

Februar 1995

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In der März-Ausgabe spannt sich der Bogen von der Antike bis zur Gegenwartskrise: Markus Linden zeigt, wie die Neue Rechte Platon und Cicero für ihre antiliberale Propaganda vereinnahmt. Maike Albath beleuchtet, wie Giorgia Meloni der italienischen Rechten ein vermeintlich harmloses, mütterliches Image verleiht. Antje Schrupp bilanziert die Politik der Gleichstellung und fragt, wie weibliche Freiheit in einem postpatriarchalen Zeitalter neu gedacht werden kann. Zum Holocaust-Gedenktag fordert die Auschwitz-Überlebende Tova Friedman in einem eindringlichen Appell entschlossenes Handeln gegen den wieder aufblühenden Antisemitismus. Eva Illouz diskutiert mit Dieter Thomä, wie im Schatten des Gazakrieges die Voraussetzungen für eine friedliche Zukunft in Nahost geschaffen werden könnten. Wolfgang Zellner analysiert, wie Europa angesichts des drohenden Zerfalls der Nato seine Souveränität bewahren kann. Robert Misik plädiert für einen radikalen Linksliberalismus als Antwort auf den rechten Autoritarismus. Und während Jochen Ahlswede 15 Jahre nach Fukushima vor einer Entmachtung der Atomsicherheitsbehörden warnt, fragt Frank Adloff, wie sich eine ökologische Zukunft trotz multipler Krisen offenhalten lässt.

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