Noch Mitte März hatte man sich geweigert, ihn zum Anti-TerrorGipfel nach Scharm el-Scheich einzuladen, doch wenige Wochen später wurde Syriens Präsident Hafez Assad als der einzige anerkannt, der Nordisrael vor Terrorismus beschützen könne. Die letzten Endes erfolgreichen Bemühungen des US-Außenministers Warren Christopher und seines französischen Amtskollegen Hervé de Charette, Assads Kooperation in der Libanonkrise zu gewinnen, haben für ein "pathetisches" Spektakel gesorgt, wie es ein Diplomat vor Ort, seinerseits Franzose, formulierte: Sie "lagen ihm zu Füßen". Der nachfolgende Waffenstillstand war für Israel kein Erfolg und genausowenig für die Vereinigten Staaten, so sehr man sich auch in Washington und Tel Aviv darum bemühte, der Sache Glanz zu verleihen. Beide haben Schaden genommen. Möglicherweise vermochte sich Premierminister Schimon Peres Vorteile für den Urnengang am 29. Mai zu sichern. Und Bill Clinton wird sich höchstwahrscheinlich einer politischen Belohnung für seine Unterstützung Israels erfreuen.
In der Februar-Ausgabe analysiert Ferdinand Muggenthaler die Folgen des US-Militärschlags in Venezuela für Lateinamerika – und erläutert, an welche Grenzen Trumps imperiale Ambitionen auf dem Subkontinent stoßen könnten. Nach vier Jahren russischer Vollinvasion und einem Jahr Trump ist die Ukraine zu einem zentralen Schauplatz im Ringen um eine imperiale globale Ordnung avanciert, argumentiert Steffen Vogel. Ulrich Menzel beschreibt die Konturen des heranbrechenden neuen imperialistischen Zeitalters, in dem das »Trio infernale« – USA, Russland und China – miteinander um die globale Vorherrschaft ringt. Seyla Benhabib beleuchtet unter Rückgriff auf das Denken Hannah Arendts die dramatischen Herausforderungen der Demokratie im planetarischen Zeitalter. Sonja Peteranderl zeigt auf, wie sich deutsche Behörden aus ihrer Abhängigkeit von Trump-hörigen Tech-Konzernen lösen können. Dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk hierzulande nicht nur innenpolitisch unter Druck steht, sondern auch ausländische Regierungen politisch Einfluss auszuüben versuchen, zeigt Wolfgang Kraushaar am Beispiel der Kontroverse um die ARD-Israel-Korrespondentin Sophie von der Tann. Und Georg Diez plädiert angesichts der wachsenden Stimmenanteile der AfD für die Abkehr von Parteidisziplin und den Umbau der Demokratie hin zu einer zielorientierten Zwei-Drittel-Republik.