Ausgabe Oktober 1997

Ordnungshüten

"Amerika, du hast es besser", hat Goethe behauptet und damit gemeint, das Land könne, anders als Europa, seine Energien ungebremst von einer alten (feudalen) Ordnung entfalten. Daß Amerika besser dran sei, glauben auch heute wieder viele, allerdings aus dem genau entgegengesetzten Grund: weil es den Amerikanern gelinge, ihre Energien ins enge Korsett der traditionellen (bürgerlichen) Ordnung zu zwängen, während anderswo erprobte Werte und wesentliche Tugenden zunehmend verfielen. Für diese (moderne) Diskrepanz sind einige Ursachen geltend gemacht worden, darunter seit neuestem eine ganz unwahrscheinlicher: die Polizei.

Der Polizei-Effekt

Amerika, so scheint es, ist heute vor allem das Land der begrenzten Unmöglichkeiten. Nirgendwo wird diese jüngste Errungenschaft deutlicher als in jener Stadt, die von allen Zentren des Westens den schlechtesten Ruf gehabt hat: New York. Seit dort Bürgermeister Giuliani regiert, herrschen Recht und Ordnung. Dem "Spiegel" war diese wundersame Verwandlung sogar eine Titelgeschichte wert. Tenor: "Vorbild New York: Deutsche Polizeichefs pilgern in die amerikanische Metropole, um von der Stadt zu lernen, die das Verbrechen zurückgedrängt hat".

Oktober 1997

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In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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