Ausgabe Oktober 1997

Hannah Arendt und die Berliner Republik

Der folgende Text beruht auf einem Vortrag, den Otto Kallscheuer am 2. Juni 1997 im Rahmen der Reihe "Hannah Arendt Lectures" an der Universität Bremen gehalten hat. Wir danken dem Autor für die schriftliche Ausarbeitung und weisen darauf hin, daß diese Druckfassung um einige Teile, die vom politischen Existentialismus und von der Totalitarismustheorie Hannah Arendts handeln, gekürzt wurde. - D. Red.

I. Politischer Existentialismus

Man sollte - um Mißverständnisse zu vermeiden - zwischen Hannah Arendts politischer Ontologie und ihren politischen Urteilen unterscheiden: zwischen der Wesensbestimmung des Politischen als Würde eines Zwischenmenschlichen, welches n u r im öffentlichen Raum zur Erscheinung kommt, einerseits - und Hannah Arendts eigenen politischen Einstellungen, ihren Optionen, Positionen und Parteinahmen andererseits. Im folgenden geht es im wesentlichen um die zweite Dimension, also um konkrete politische Urteile Hannah Arendts. 1) Die Bedeutung Hannah Arendts für das politische Denken des 20. Jahrhunderts liegt gewiß eher in ihrer politischen Ontologie. In diese erste Dimension ihrer Schriften gehören Arendts (quasi-)aristotelische Übungen in philosophischer Anthropologie: v.a.

Oktober 1997

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