Ausgabe Februar 1998

Bilder der Wehrmacht in der Bundeswehr

Fünfzig Jahre nach der bedingungslosen Kapitulation der Wehrmacht befindet sich dieser "stählerne Garant" des NS-Systems mehr denn je in der öffentlichen Diskussion.

Aber die Bundeswehr nimmt an ihr nicht teil. Längst ist aufgefallen, daß Vertreter der Streitkrafte dem gesellschaftlichen Diskurs über ein Thema fernbleiben, das sie doch angeht. Daß sie desinteressiert wären, wird man infolgedessen kaum unterstellen dürfen. Wie also ist die bemerkenswerte Abstinenz zu erklären? Trifft die Vermutung zu, daß die Zivilgesellschaft in den letzten Jahren einen Aufklärungsprozeß nachholt, der in der Bundeswehr schon längst stattgefunden hat? Oder ist das Problem ganz anders gelagert: Werden Bundeswehrsoldaten durch Anweisungen der Bonner Hardthöhe gezielt von den öffentlichen Debatten ferngehalten, weil sie interne Konflikte vermeiden möchte oder weil "draußen" nicht erkennbar werden soll, wie man "drinnen" denkt? Wer die Frage ausleuchten möchte, wie es die Bundeswehr mit der Wehrmacht hält, tut gut daran, auf die Geschichte der 1955 gegründeten Streitkräfte der Bundesrepublik und ihr Traditionsverständnis zurückzublicken.

1.

Februar 1998

Sie haben etwa 4% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 96% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1€)
Digitalausgabe kaufen (10€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe Juni 2026

In der Juni-Ausgabe deutet Andreas Püttmann den Aufstieg der Rechten als Ausdruck einer tiefgreifenden kulturellen Krise und eines entgrenzten Narzissmus. Meron Mendel plädiert für eine Pluralisierung der Erinnerungskultur, die nicht nur warnt, sondern auch verbindet. Angesichts des gegenwärtigen autoritären Umbruchs entwirft Franziska Brantner einen neuen Liberalismus, der Freiheit, Gerechtigkeit und Nachhaltigkeit zusammendenkt. Nina Kolleck erklärt, warum die Nutzung von Social Media kein Privatproblem ist und die Verantwortung für deren gravierende Folgen zuvorderst bei den Plattformbetreibern liegt. Carola Lentz würdigt die Geschichte des Goethe-Instituts und die demokratische Qualität seiner Kulturarbeit, die heute zunehmend in das Fahrwasser rauer Machtpolitik gerate. Wolfgang Zellner lotet in einer von Ordnungszerfall und Großmachtkonkurrenz geprägten Welt die Handlungsspielräume Europas aus, während Wolfgang Kaleck fragt, wie sich das Völkerrecht gegen Trump verteidigen – und weiterentwickeln – lässt.

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema

Über den Verfassungspatriotismus hinaus

von Meron Mendel

Während des Historikerstreits 1986 wehrte sich Jürgen Habermas erfolgreich gegen die Relativierung des Holocaust und hoffte, die Deutschen würden statt einer konventionellen Nationalidentität einen Verfassungspatriotismus entwickeln. Heute sollte dieses abstrakte Konzept mit konkreten Inhalten gefüllt werden.