Ausgabe Oktober 1998

Geopolitische Rivalen oder Partner?

Rußland und China in der Region des kaspischen Meeres

Während 1991/92 Rußland sich in einer "romantischen" Phase der russischen Außenpolitik dem Westen unterzuordnen schien, gewann ab Mitte 1992 wieder die alte Großmachtidee an Boden, und es kam zu einer Wiederbelebung geopolitischen Denkens. Dabei wurde auf ein nach Auflösung der Sowjetunion entstandenes Machtvakuum in der Region der südlichen GUS-Staaten hingewiesen. Geopolitische Ziele Rußlands sind seither die Kontrolle der südlichen GUS-Staaten als eigene Einflußsphäre, die Eindämmung des türkischen und amerikanischen Einflusses, die Beteiligung am internationalen Ölgeschäft sowie der Ausbau der strategischen Kooperation mit dem Iran. 1) Nach der Auflösung der Sowjetunion gewinnt die Region aber auch für China an Interesse. Dies hängt vor allem mit ihrer Funktion als West-Ost-Transportkorridor ("Seidenstraße") zusammen. Hierdurch eröffnet sich China ein Landweg in den Westen, der zuvor durch den Eisernen Vorhang verschlossen war. Dieser Korridor hat für die Volksrepublik den Vorteil, daß er nicht, wie die Routen durch Rußland oder Indien, über das Territorium von konkurrierenden Großmächten verläuft.

Oktober 1998

Sie haben etwa 4% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 96% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1€)
Digitalausgabe kaufen (10€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe Mai 2026

In der Mai-Ausgabe zeigen Alexander Cooley und Daniel Nexon, wie die Trump-Regierung ihre geopolitische Macht systematisch in privaten Gewinn ummünzt – zum Schaden für Rechtsstaat und Demokratie. August Pradetto plädiert für eine entschiedene – auch rhetorische – Verteidigung des Völkerrechts gegenüber der wachsenden Gruppe jener Staaten, die auf die Macht des Stärkeren setzen. Klaus Naumann beleuchtet die Debatte um die Wehrpflicht und fragt, wie sich der Frieden in Europa künftig verteidigen lässt. In einer Welt, in der Heimatverlust zu einer universellen Erfahrung geworden ist, sucht Ece Temelkuran nach neuen Formen von Gemeinsamkeit und Handlungsmacht. Antje Schrupp zeigt, wie rechte Frauen mit traditionalistischen Frauenbildern den autoritären Aufstieg befördern. Sonja Peteranderl warnt vor den Risiken von Zyklus-Apps in Zeiten des Rechtsrucks. Inken Behrmann beleuchtet den auch hierzulande längst entbrannten Kampf um die immer knapper werdende Ressource Wasser. Markus Wissen sieht im radikalen Reformismus eine Strategie gegen den Krisenkapitalismus. Und Karin König erinnert an den Film »Die Mörder sind unter uns« als Schlüsselwerk der deutschen Nachkriegsgeschichte und die Biografie seines Hauptdarstellers Ernst Wilhelm Borchert. 

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema

Euphorie und Ernüchterung: Bangladesch nach dem Aufstand

von Natalie Mayroth, Dil Afrose Jahan

Im September fanden an der Universität Dhaka, einer der wichtigsten Hochschulen Bangladeschs, Wahlen zur Studentenvereinigung statt. Manche sehen sie als Testlauf für die nationalen Wahlen. Daher ist es ein Warnsignal, dass dort ausgerechnet der Studentenflügel der islamistischen Jamaat-e-Islami gewann.