Auf dem Rabin-Platz in Tel Aviv fielen sich in der Nacht vom 17 auf den 18. Mai 1999 die Menschen um den Hals. Mehrere zehntausend Israelis hatte die Hoffnung, daß der nahöstliche Friedensprozeß endlich aus dem Koma erweckt würde, nach Schließung der Wahllokale dorthin geführt, wo im November 1995 die tödlichen Schüsse auf den israelischen Premier Itzhak Rabin gefallen waren. Bereits nach den ersten Hochrechnungen stand fest, daß der Vorsitzende der Arbeitspartei Ehud Barak neuer Regierungschef Israels werden würde. Seit Rabin unter den Kugeln eines rechtradikalen Israelis sein Leben gelassen hatte, war der mit seinem Namen untrennbar verbundene Prozeß mehr als einmal totgesagt worden. Die Hoffnungen der Feiernden ruhen nun auf seinem "Zögling" Ehud Barak. Die von Rabin und seinem Außenminister Shimon Peres begonnene vertragliche Beilegung des israelisch-palästinensischen Konflikts hatte dessen Nachfolger Benjamin Netanyahu drei Jahre lang nur unter beharrlichem Zureden der USA weitergeführt und war von Krise zu Krise gestolpert. Am Ende waren sowohl seine Parteifreunde im Likud als auch die Partner in seiner komplizierten Sieben-Parteien-Koalition des Opportunismus Netanyahus überdrüssig und zwangen den Regierungschef zum Rücktritt. Seinen polarisierenden Wahlkampf haben die Wähler nicht honoriert.
Der große autoritäre Umbruch, der gegenwärtig sowohl die nationale als auch internationale Politik erschüttert, führt zu enormer Verunsicherung. Umso mehr muss er die politischen Akteure veranlassen, sich der Ziele ihres Handelns immer wieder aufs Neue zu vergewissern, aber auch ihrer Wurzeln.