"Ethnische Säuberung" - geprägt wurde dieser Begriff ironischerweise erstmals 1983 von einem serbischen Parlamentarier, der das Verhalten der damals dominierenden Albaner gegenüber der serbischen Minderheit im Kosovo beklagte. Die Praxis allerdings hatte es bereits seit Jahrzehnten gegeben, von beiden Seiten, und die Geschichte legt die Vermutung nahe, daß kein Krieg, kein Vertrag und kein Embargo sie dauerhaft beenden kann. Der Krieg dieses Frühjahrs brachte einen neuen Höhepunkt. 850 000 Kosovo-Albaner wurden aus der Provinz vertrieben, und die etwa 100 000 verbliebenen Serben fragen sich heute, ob sie nach der Rückführung der albanischen Mehrheit durch die NATO in ihrer Heimat bleiben können. Sehen wir den Tatsachen ins Gesicht! Das Kosovo war nicht immer serbisch... und nicht immer albanisch. Vor dem Aufstieg des ersten serbischen Staatswesens im 13. Jahrhundert gehörte das Gebiet zu Byzanz, davor kurz zu Bulgarien und noch früher war es dardanisch, so der Name des damals dort lebenden Stammes (möglicherweise verwandt mit Dakiern und Moesiern, der Urbevölkerung des heutigen Rumäniens und Bulgariens). Belassen wir es bei dem Hinweis, daß die ersten Slawen im 7. Jahrhundert in der Region siedelten, während Albaner erstmals im 11. und 12. Jahrhundert unter diesem Namen im Kosovo und in seiner Nachbarschaft in Erscheinung treten.
In der Februar-Ausgabe analysiert Ferdinand Muggenthaler die Folgen des US-Militärschlags in Venezuela für Lateinamerika – und erläutert, an welche Grenzen Trumps imperiale Ambitionen auf dem Subkontinent stoßen könnten. Nach vier Jahren russischer Vollinvasion und einem Jahr Trump ist die Ukraine zu einem zentralen Schauplatz im Ringen um eine imperiale globale Ordnung avanciert, argumentiert Steffen Vogel. Ulrich Menzel beschreibt die Konturen des heranbrechenden neuen imperialistischen Zeitalters, in dem das »Trio infernale« – USA, Russland und China – miteinander um die globale Vorherrschaft ringt. Seyla Benhabib beleuchtet unter Rückgriff auf das Denken Hannah Arendts die dramatischen Herausforderungen der Demokratie im planetarischen Zeitalter. Sonja Peteranderl zeigt auf, wie sich deutsche Behörden aus ihrer Abhängigkeit von Trump-hörigen Tech-Konzernen lösen können. Dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk hierzulande nicht nur innenpolitisch unter Druck steht, sondern auch ausländische Regierungen politisch Einfluss auszuüben versuchen, zeigt Wolfgang Kraushaar am Beispiel der Kontroverse um die ARD-Israel-Korrespondentin Sophie von der Tann. Und Georg Diez plädiert angesichts der wachsenden Stimmenanteile der AfD für die Abkehr von Parteidisziplin und den Umbau der Demokratie hin zu einer zielorientierten Zwei-Drittel-Republik.