Auf kaum einem anderen Feld wirkt das "amerikanische Modell" so autoritativ, so zwingend wie auf dem der "freien Wirtschaft". Zum kleinen Einmaleins unseres Amerika-Lehrgangs gehört mittlerweile, die beste Wirtschaftspolitik sei gar keine, oder wie es Ronald Reagan ausgedrückt hat: Der Staat sei nicht die Lösung irgendeines Problems, er sei das Problem. In den Vereinigten Staaten hat diese rechtsanarchistische Tradition im konservativen Milieu Schule gemacht - ein großer Teil der ökonomischen Lehre und Praxis hat für Staat und Politik nur Verachtung übrig. Anders auf dem europäischen Kontinent, wo der Staat seine Aufgabe nicht nur dann sah, Brücken und Straßen zu bauen, sondern auch Kontrolle über den Wirtschaftsprozess auszuüben und sogar selbst als Unternehmer aufzutreten. So gesehen, war der "rheinische Kapitalismus" tatsächlich ein Dritter Weg zwischen wildem Kapitalismus und Staatssozialismus. Seit Beginn der 90er Jahre sieht man in den USA den Abschied vom Staat wieder nüchterner, aber ein Paradigmenwechsel hat eher in Europa stattgefunden. Auch "New Labour" will hauptsächlich die Verschuldung bekämpfen, die Staatsquote senken und den "Wirtschaftskräften" ansonsten weltweit freie Hand lassen.
In der Februar-Ausgabe analysiert Ferdinand Muggenthaler die Folgen des US-Militärschlags in Venezuela für Lateinamerika – und erläutert, an welche Grenzen Trumps imperiale Ambitionen auf dem Subkontinent stoßen könnten. Nach vier Jahren russischer Vollinvasion und einem Jahr Trump ist die Ukraine zu einem zentralen Schauplatz im Ringen um eine imperiale globale Ordnung avanciert, argumentiert Steffen Vogel. Ulrich Menzel beschreibt die Konturen des heranbrechenden neuen imperialistischen Zeitalters, in dem das »Trio infernale« – USA, Russland und China – miteinander um die globale Vorherrschaft ringt. Seyla Benhabib beleuchtet unter Rückgriff auf das Denken Hannah Arendts die dramatischen Herausforderungen der Demokratie im planetarischen Zeitalter. Sonja Peteranderl zeigt auf, wie sich deutsche Behörden aus ihrer Abhängigkeit von Trump-hörigen Tech-Konzernen lösen können. Dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk hierzulande nicht nur innenpolitisch unter Druck steht, sondern auch ausländische Regierungen politisch Einfluss auszuüben versuchen, zeigt Wolfgang Kraushaar am Beispiel der Kontroverse um die ARD-Israel-Korrespondentin Sophie von der Tann. Und Georg Diez plädiert angesichts der wachsenden Stimmenanteile der AfD für die Abkehr von Parteidisziplin und den Umbau der Demokratie hin zu einer zielorientierten Zwei-Drittel-Republik.